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Zucker in Getränken: Was die amtlichen Zahlen zeigen
Zuckergehalt, Zuckerabsatz und die geplante Steuer. Jede Zahl stammt aus einer amtlichen Quelle und ist nachgerechnet, mit allen Vorbehalten.
Grundlage: Recherche der Redaktion in amtlichen Statistiken
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Inhalt und Unterlagen
Die Bundesregierung will zuckergesüßte Getränke besteuern. Die amtlichen Zahlen zeigen dreierlei: Die Hersteller haben den Zucker je Liter ohne Steuer gesenkt. Reine Säfte enthalten etwa so viel Zucker wie Cola und sollen steuerfrei bleiben. Und die Getränkesparte hat zuletzt trotzdem etwas mehr Zucker gekauft.
Zucker je 100 ml in den meistverkauften Erfrischungsgetränken
6,2 g → 5,3 g
Von 2018 bis 2024 sank der Zuckergehalt, gewichtet nach Absatz, um knapp 15 Prozent.[1][2] Eine Zuckersteuer gab es in dieser Zeit nicht.
Mittelwert der meistverkauften Produkte. Das Max Rubner-Institut hält einen Teil der Unterschiede zwischen den Jahren für möglicherweise methodisch bedingt.
1. Weniger Zucker je Liter, ohne Steuer
Das Max Rubner-Institut des Bundes misst regelmäßig, wie viel Zucker in den meistverkauften Erfrischungsgetränken steckt. Gewichtet nach Absatz sank der Gehalt von 6,2 Gramm je 100 Milliliter im Jahr 2018 auf 5,3 Gramm im Jahr 2024.[1] Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat spricht von knapp 15 Prozent weniger Zucker.[2] Eine Zuckersteuer gab es in dieser Zeit nicht.
Zwei Vorbehalte gehören dazu. Der Rückgang fiel fast ganz in das erste Jahr; seit 2019 liegt der Wert bei 5,3 bis 5,4 Gramm. Und das Institut schreibt selbst, dass die Unterschiede zwischen den Jahren auch methodisch bedingt sein können, weil die erste Erhebung nur 59,5 Prozent des Marktes erfasste, die letzte 76,9 Prozent.[1]
Weniger Zucker je Liter, ohne Steuer
Erfrischungsgetränke, nach Absatz gewichteter mittlerer Zuckergehalt der meistverkauften Produkte, in Gramm je 100 Milliliter
Quelle: Max Rubner-Institut, Produktmonitoring 2024, Tabelle 18[1]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: 2020, 2021 und 2023 gab es keine Erhebung. Erfasster Marktanteil 2018: 59,5 Prozent, 2024: 76,9 Prozent
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Datentabelle anzeigen4 Zeilen
| Zucker (g) | |
|---|---|
| 2018 | 6,2 |
| 2019 | 5,4 |
| 2022 | 5,4 |
| 2024 | 5,3 |
2. Säfte: so viel Zucker wie Cola, aber steuerfrei
Wie viel Zucker ein Getränk enthält, hängt stark von der Sorte ab. Cola mit Zucker kommt im Mittel auf 9,7 Gramm je 100 Milliliter, Energy Drinks auf 10,7, Limonaden auf 7,8 und Fruchtschorlen auf 5,9; Cola ohne Zucker liegt bei 0,3.[1] Apfelsaft enthält von Natur aus 9,6 Gramm je 100 Gramm, Orangensaft 8,5.[3]
Apfelsaft enthält so viel Zucker wie Cola
Mittlerer Zuckergehalt 2024 in Gramm je 100 Milliliter; bei Säften und Nektar in Gramm je 100 Gramm
Quellen: Max Rubner-Institut, Produktmonitoring 2024, Tabelle 17[1]; Säfte und Nektar: Bundeslebensmittelschlüssel 4.0[3]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: Erfrischungsgetränke: nach Absatz gewichteter Mittelwert der meistverkauften Produkte. Säfte und Nektar: Summe aus Glukose, Fruktose und Saccharose je 100 Gramm; ein Liter Saft wiegt etwas mehr als ein Kilogramm, je 100 Milliliter liegt der Wert deshalb etwas höher
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Datentabelle anzeigen10 Zeilen
| Zucker (g) | |
|---|---|
| Energy Drinks mit Zucker | 10,7 |
| Mehrfruchtnektar | 10,1 |
| Cola und Cola-Mix mit Zucker | 9,7 |
| Apfelsaft | 9,6 |
| Fruchtsaftgetränke mit Zucker | 9 |
| Orangensaft | 8,5 |
| Limonaden mit Zucker | 7,8 |
| Fruchtschorlen | 5,9 |
| Eistee und andere Teegetränke | 5 |
| Cola ohne Zucker | 0,3 |
Die FinanzKommission Gesundheit, auf deren Empfehlung die Steuer zurückgeht, nimmt reine Säfte ausdrücklich aus: „Ausgenommen sind 100 % Fruchtsäfte sowie Getränke, die ausschließlich aus 100 % Fruchtsaft und Wasser bestehen.“[5]
An dieser Empfehlung orientiert sich die Bundesregierung nach eigener Aussage.[6] Auch der Entwurf des Finanzministeriums lässt reine Säfte und Schorlen ohne Zuckerzusatz nach Medienberichten steuerfrei.[7] Für Fruchtnektar gibt es keine amtliche Aussage; auf der Ausnahmeliste der Kommission steht er nicht. Die Steuer fragt also nicht nur, wie viel Zucker im Glas ist, sondern auch, woher er kommt.
3. Mehr Zucker im Einkauf der Getränkesparte
Zuckerfabriken und Handel verkauften im Wirtschaftsjahr 2024/25 nach vorläufigen Angaben 512,8 Tausend Tonnen Zucker an die Hersteller von Erfrischungsgetränken, Fruchtsaft und Obstwein. Das sind 2,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Fast alle anderen Lebensmittelsparten kauften laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung weniger, die Süßwarenhersteller 9,6 Prozent, die Backwarenhersteller 6,1 Prozent. Die einzige weitere Ausnahme sind „Sonstige Produkte“ mit plus 1,3 Prozent.[4]
Die Getränkesparte kauft etwas mehr Zucker, fast alle anderen weniger
Zuckerabsatz der Zuckerfabriken und Handelsunternehmen an Hersteller in Deutschland, in Tausend Tonnen; Wirtschaftsjahr Oktober bis September, 2024/25 vorläufig
- 2023/24
- 2024/25
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Bericht Zucker 2026, Tabelle 2[4]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: Nur Saccharose in Weißzuckerwert, kein Glukose- oder Fruktosesirup. Die Sparten Wein und Sekt sowie Bier und Spirituosen weist die Statistik für 2024/25 nicht aus
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Datentabelle anzeigen7 Zeilen
| 2023/24 (Tsd. t) | 2024/25 (Tsd. t) | |
|---|---|---|
| Erfrischungsgetränke, Fruchtsaft, Obstwein | 501,9 | 512,8 |
| Süßwaren | 547,7 | 495,1 |
| Sonstige Produkte | 421,7 | 427 |
| Backwaren | 418,7 | 393,3 |
| Speiseeis und Milcherzeugnisse | 195,6 | 184,7 |
| Brotaufstrich, Obst- und Gemüsekonserven | 128 | 125,9 |
| Nährmittel, Backmittel | 36,8 | 27,9 |
Diese Zahl misst den Einkauf der Hersteller, nicht den Zucker im Glas. Sie erfasst nur Saccharose, also gewöhnlichen Zucker, keinen Glukose- oder Fruktosesirup. Ob die Getränke im Inland getrunken oder ausgeführt werden, bildet sie nicht ab.[4] Weniger Zucker je Liter und mehr Zucker im Einkauf schließen sich deshalb nicht aus. Auf die Getränkesparte entfallen 23 Prozent des Zuckers, den Lebensmittelhersteller kaufen: 512,8 von 2.236,9 Tausend Tonnen.[4]
4. Überschlag: Wie viel Zucker steckt in den Getränken?
Eine amtliche Zahl dazu gibt es nicht. Ein Überschlag ist möglich: getrunkene Menge mal mittlerer Zuckergehalt. Das Umweltbundesamt weist den Verbrauch 2024 aus, einschließlich eingeführter Getränke.[8]
| Segment | Verbrauch 2024, Mio. Liter | Zucker je 100 ml | Zucker, Tsd. Tonnen |
|---|---|---|---|
| Erfrischungsgetränke | 11.598 | 5,3 g | rund 615 |
| Säfte und Nektare ohne Kohlensäure | 2.188 | 8,5 bis 10,1 g | 186 bis 221 |
| Zusammen | 13.786 | rund 800 bis 836 |
Verbrauch: Umweltbundesamt, Tabelle 1[8]. Zuckergehalt Erfrischungsgetränke: Mittelwert des Max Rubner-Instituts über alle meistverkauften Erfrischungsgetränke, mit und ohne Zucker[1]. Säfte und Nektare: Spanne der Werte für Orangensaft und Mehrfruchtnektar je 100 Gramm, auf den Liter angewandt; je Liter liegt der wahre Wert etwas höher[3].
In den Getränken stecken nach diesem Überschlag rund 0,8 Millionen Tonnen Zucker. Das ist mehr als die 512,8 Tausend Tonnen, die Zuckerfabriken und Handel an die Getränkesparte verkaufen. Mehrere Gründe tragen zum Unterschied bei: Den Fruchtzucker im Saft liefert keine Zuckerfabrik, Sirup fehlt in der Statistik, und der Verbrauch enthält eingeführte Getränke. In diesem Überschlag stehen Säfte und Nektare für rund ein Viertel des Zuckers.
Der Überschlag hat Grenzen. Cola weist keine amtliche Statistik getrennt aus; eine Rechnung je Sorte ist mit amtlichen Zahlen deshalb nicht möglich. Biermischgetränke fehlen, weil es für sie keinen amtlichen Zuckerwert gibt. Der Mittelwert des Instituts deckt 76,9 Prozent des Marktes ab, nicht alle Getränke.[1]
Offenlegung: Der Herausgeber der Aufrechten Lupe, Andreas W. Herb, ist CEO der MBG Group. Nach seiner Darstellung stellt die Unternehmensgruppe Getränkerezepturen um und ist von der geplanten Steuer selbst betroffen. Seine Meinung dazu steht im Essay „Die Steuer, die sich selbst widerlegt“.
METHODIK
Methodik
Die Zuckergehalte der Erfrischungsgetränke sind nach Absatz gewichtete Mittelwerte der meistverkauften Produkte aus dem Produktmonitoring des Max Rubner-Instituts. Die Werte für Säfte und Nektar stammen aus dem Bundeslebensmittelschlüssel und beziehen sich auf 100 Gramm.
Die Absatzzahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für 2024/25 sind vorläufig und auf hundert Tonnen genau veröffentlicht. Für Wein und Sekt sowie Bier und Spirituosen hält die Statistik die Werte 2024/25 geheim; wir rechnen sie nicht heraus.
Der Überschlag in Abschnitt 4 verbindet den Verbrauch laut Umweltbundesamt mit den mittleren Zuckergehalten. Er zeigt eine Größenordnung, keine amtliche Menge.
Rechtsstand: Die Steuer ist geplant, der Entwurf des Finanzministeriums ist nicht amtlich veröffentlicht. Einzelheiten können sich ändern.
PRÜFUNG
Was vor der Veröffentlichung geprüft wurde
- Jeder Wert ist am 10. Oktober 2026 an der Originaltabelle geprüft. Veränderungen, Anteile und der Überschlag in Abschnitt 4 sind eigene Rechnungen.
- Den Entwurf des Finanzministeriums gibt es nicht amtlich. Angaben dazu stammen aus einem Medienbericht (Quelle 7).
- Die Grafiken sind aus den Tabellen der Quellen neu gezeichnet; die Datentabellen darunter enthalten dieselben Werte.
QUELLEN
Quellen
Jede Nummer im Text führt zu ihrer Quelle. Die Herkunft steht an jedem Eintrag: amtlich, Medienbericht, Verband, Institut oder Datenportal.
[1] Max Rubner-Institut, 02.07.2025
Ergebnisbericht Produktmonitoring 2024, Tabellen 17 und 18Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[2] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, 02.07.2025
Zwischenbilanz: Weniger Zucker, Fette und Salz in verarbeiteten LebensmittelnAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[3] Max Rubner-Institut
Bundeslebensmittelschlüssel 4.0, Einträge Apfelsaft (F110600), Orangensaft (F603600) und Mehrfruchtnektar (F012700)Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[4] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Juni 2026
Bericht zur Markt- und Versorgungslage Zucker 2026, Abschnitt 3.1.2, Abbildung 15 und Tabelle 2Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[5] FinanzKommission Gesundheit, 30.03.2026
Erster Bericht, Reformempfehlung Nr. 66 (Fassung vom 01.06.2026)Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[6] Deutscher Bundestag, 03.06.2026
Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage, Drucksache 21/6290Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[7] Deutsches Ärzteblatt, 30.09.2026
Bundesregierung rechnet mit Einnahmen aus Steuer auf Zuckergetränke ab Sommer 2027Medienbericht↑ zurück zum Text
[8] Umweltbundesamt (Studie der GVM), Juli 2026
Bundesweite Erhebung von Daten zum Verbrauch von Getränken in Mehrweggetränkeverpackungen, Bezugsjahr 2024, TEXTE 100/2026, Tabelle 1Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
KORREKTUREN
Korrekturen
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