MEINUNGKOMMENTARZUCKERGETRÄNKESTEUER
Zoll-Monster Zuckersteuer
Wer soll das alles prüfen? Und wer bezahlt das?
Von Andreas W. Herb, CEO MBG Group, Paderborn
2 Minuten Lesezeit8 Quellen0 KorrekturenOffenlegung
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Inhalt
Ab dem 1. Juli 2027 soll in Deutschland eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke gelten.[1] Was sie kostet, steht ausführlich im Essay Die Steuer, die sich selbst widerlegt. Dieser zweite Teil stellt nur eine Frage: Wer soll das alles prüfen? Und wer bezahlt das?
Der Staat stellt ein
Neue Stellen
223
200 beim Zoll, 23 beim IT-Dienstleister des Bundes. Für Zoll und IT plant der Entwurf bis 2029 rund 89 Millionen Euro ein.[2]
Für eine Steuer, die es heute noch nicht gibt.
Was Berlin übersieht
In Deutschland gibt es rund 2.500 Getränkehersteller.[3] Der Zoll darf sie ohne konkreten Anlass prüfen.[4] Unser Szenario: Jeder Betrieb wird einmal im Jahr geprüft, zwei bis drei Tage vor Ort.
Prüfertage vor Ort, jedes Jahr
5.000 bis 7.500
2.500 Getränkehersteller, je zwei bis drei Tage Zoll im Betrieb. Jedes Jahr Prüfung.
Szenario der MBG Group. Wie oft der Zoll tatsächlich prüft, legt der Entwurf nicht fest.
Zöllner nur fürs Prüfen
Vollzeit-Zöllner, nur für diese Prüfungen
52 bis 78
Mit Vor- und Nachbereitung werden daraus 10.000 bis 15.000 Prüfertage im Jahr. Bei 194 Arbeitstagen und rund 87.200 Euro je Stelle im gehobenen Dienst einschließlich Gemeinkosten sind das 4,5 bis 6,8 Millionen Euro pro Jahr.[5]
194 Arbeitstage und 87.200 Euro sind aus den Personalkostensätzen 2025 des Bundesfinanzministeriums abgeleitet.
Und der Betrieb?
Während der Zoll prüft, steht das Büro. Zwei Mitarbeiter begleiten die Prüfung, dazu kommen zwei Tage Vorbereitung: zusammen sechs bis acht Personentage.
Kosten je Prüfung im Betrieb
bis 2.880 €
Sechs bis acht Personentage zu je acht Stunden bei durchschnittlichen Arbeitskosten von 45 Euro je Stunde[6]: 2.160 bis 2.880 Euro. Für die Branche 5,4 bis 7,2 Millionen Euro pro Jahr.
Das ist mehr als doppelt so viel, wie der Entwurf der gesamten Wirtschaft an jährlichem Aufwand zugesteht: 2,3 Millionen Euro.[1]
Staat und Wirtschaft zusammen
Nur fürs Prüfen, pro Jahr
bis 14 Mio. €
Zoll 4,5 bis 6,8 Millionen Euro, Betriebe 5,4 bis 7,2 Millionen Euro: zusammen 9,9 bis 14,0 Millionen Euro pro Jahr. In zehn Jahren bis zu 140 Millionen Euro.
Ohne Anmeldungen, Erlaubnisse, IT und Software.
Allein die Prüfungen kosten das Vier- bis Sechsfache
Szenario: jährliche Außenprüfung bei 2.500 Herstellern, 2 bis 3 Tage vor Ort, in Millionen Euro pro Jahr
- Wert oder Untergrenze
- Obergrenze
Entwurf[1]; eigene Rechnung auf Basis BMF[5] und Destatis[6]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen4 Zeilen
| Wert oder Untergrenze (Mio. €) | Obergrenze (Mio. €) | |
|---|---|---|
| Entwurf: jährlicher Aufwand der Wirtschaft | 2,3 | – |
| Prüfungen: Zoll | 4,5 | 6,8 |
| Prüfungen: Betriebe | 5,4 | 7,2 |
| Prüfungen: zusammen | 9,9 | 14 |
Das Versprechen
Am 14. Mai 2025 sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Regierungserklärung:
„Wir werden die unzähligen Dokumentations-, Berichts- und Meldepflichten schnell und spürbar reduzieren.“
Die Bilanz
| Stichwort | Inhalt |
|---|---|
| Ziel | Minus 16 Milliarden Euro Bürokratiekosten für die Wirtschaft. Das hat sich die Koalition vorgenommen.[8] |
| Real | Neue Erlaubnisse, Steuerlager, Meldungen, Prüfungen und 223 neue Stellen.[2] |
| Frage | Wo bleibt „One in, one out“?[8] |
Weniger Zucker? Machen wir. Ein neues Zoll-Monster? Nein.
Andreas W. HerbCEO MBG Group, Paderborn
METHODIK
Methodik
Alle Beträge ab „Was Berlin übersieht“ sind ein Szenario der MBG Group: Der Zoll prüft jeden der rund 2.500 Getränkehersteller einmal im Jahr, zwei bis drei Tage vor Ort; Vor- und Nachbereitung verdoppeln die Prüfertage. Im Betrieb begleiten zwei Mitarbeiter die Prüfung, dazu kommen zwei Personentage Vorbereitung, je Tag acht Stunden. Die tatsächliche Prüfungsdichte legt der Entwurf nicht fest.
Die Angaben zum Gesetzentwurf stammen aus Medienberichten über den Referentenentwurf; der vollständige Originaltext lag nicht vor. Beim Vergleich von Staat und Wirtschaft stammen die Beträge aus unterschiedlichen Kostenrubriken und sind nicht vollständig deckungsgleich. Rechtsstand: Entwurf in der Ressortabstimmung, Verfahren vorerst gestoppt; Einzelheiten können sich ändern.
PRÜFUNG
Was vor der Veröffentlichung geprüft wurde
- Alle Rechenschritte sind nachgerechnet und folgen aus den genannten Ausgangswerten.
- Die acht Quellen sind dieselben wie im Essay „Die Steuer, die sich selbst widerlegt“ und wurden dort am 4. Oktober 2026 aufgerufen und mit dem Text abgeglichen. Zwei Einschränkungen gelten auch hier: Die Zahl von rund 2.500 Getränkeherstellern stammt von einem Adresslisten-Anbieter auf Basis von Destatis, nicht aus der amtlichen Statistik (Quelle 3). 194 Arbeitstage und 87.200 Euro je Stelle stehen nicht wörtlich im verlinkten Dokument des Bundesfinanzministeriums und sind daraus abgeleitet (Quelle 5).
- Grundlage sind Grafiken der MBG Group zur Zuckersteuer (Stand 1. Oktober 2026). Abweichend davon nennt der Bericht für die Prüfertage vor Ort die Spanne 5.000 bis 7.500, weil zwei bis drei Tage je Betrieb diese Spanne ergeben.
- Die Angaben zum Gesetzentwurf stammen aus Medienberichten über den Referentenentwurf, dessen vollständiger Text nicht vorlag (siehe Methodik).
QUELLEN
Quellen
Jede Nummer im Text führt zu ihrer Quelle. Die Herkunft steht an jedem Eintrag: amtlich, Medienbericht, Verband, Institut oder Datenportal.
[1] Getränke News, 30.09.2026
Zuckersteuer – Verbände kritisieren PläneMedienbericht↑ zurück zum Text
[2] news.de, 01.10.2026
Finanzministerium plant Zuckersteuer mit Milliarden-Einnahmen (nach BILD)Medienbericht↑ zurück zum Text
[3] Listflix auf Basis Destatis
Getränkehersteller in DeutschlandDatenportal↑ zurück zum Text
[4] Zoll online
Zulässigkeit der PrüfungAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[5] Bundesministerium der Finanzen
Personal- und Sachkosten 2025 für WirtschaftlichkeitsuntersuchungenAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[6] Statistisches Bundesamt
Eine Arbeitsstunde kostete 2025 durchschnittlich 45,00 EuroAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[7] Bundesregierung, 14.05.2025
Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich MerzAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[8] Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
BürokratierückbauAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
KORREKTUREN
Korrekturen
Keine Korrekturen seit der Veröffentlichung am 06.10.2026. Jede wesentliche Änderung erscheint hier mit Datum, Grund und altem Wortlaut.
Diese Seite ist Meinung. Unsere Faktenchecks sind es nicht.