MEINUNGKOMMENTARCO₂-PREIS
CO₂-Abgaben: Preistreiber mit Ansage
Klimaschutz braucht Lösungen. Eine immer höhere Rechnung allein ist noch keine Lösung.
Von Andreas W. Herb, CEO MBG Group, Paderborn
3 Minuten Lesezeit11 Quellen0 KorrekturenOffenlegung
Teilen
Inhalt
Klimaschutz braucht Lösungen. Eine immer höhere Rechnung allein ist noch keine Lösung. Höhere CO₂-Preise verteuern fossile Energie und können über höhere Produktionskosten auch die Verbraucherpreise nach oben treiben.[1][2]
Die Kurve ist steil. Die Belastung ist real.
2021 lag der nationale CO₂-Preis bei 25 Euro pro Tonne; 2026 liegt der Auktionskorridor bei 55 bis 65 Euro: 120 bis 160 Prozent mehr in fünf Jahren.[3] Dahinter stehen Kosten beim Tanken und Heizen, die Bürger und Unternehmen treffen, nicht nur eine abstrakte Zahl im Gesetz.[1][2]
CO₂-Preis: bis zu +160 % gegenüber 2021
Nationaler CO₂-Preis auf Brennstoffe in Euro je Tonne. 2021 bis 2025 Festpreise, 2026 Auktionskorridor, kein einheitlicher Festpreis
- Festpreis oder Untergrenze
- Obergrenze des Korridors
DEHSt[3]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: Keine Aussage über die allgemeine Inflation.
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen6 Zeilen
| Festpreis oder Untergrenze (€/t) | Obergrenze des Korridors (€/t) | |
|---|---|---|
| 2021 | 25 | – |
| 2022 | 30 | – |
| 2023 | 30 | – |
| 2024 | 45 | – |
| 2025 | 55 | – |
| 2026 | 55 | 65 |
Gleiche Strecke. Gleiche Ladung. Fast zehnfache CO₂-Kosten.
Eine Lkw-Ladung von München nach Hamburg macht die Belastung greifbar: In unserer 800-km-Modellrechnung steigen die CO₂-bezogenen Kosten von 17,15 Euro im Jahr 2021 auf 171,00 Euro bei einem Rechenpreis von 65 Euro/t im Jahr 2026; entscheidend ist neben dem teureren Diesel-CO₂-Anteil die zusätzlich eingeführte CO₂-Maut.[3][4][5] Das sind rund 154 Euro mehr pro Ladung, nicht etwa eine Verzehnfachung der gesamten Transportkosten.[4][5]
CO₂-Kosten je Ladung: fast zehnmal so viel
CO₂-bezogene Kosten einer Modellfahrt München–Hamburg in Euro, nicht die gesamten Frachtkosten
- CO₂ im Diesel
- CO₂-Maut
- Zusammen
Eigene Rechnung nach DEHSt[3], EBeV 2030[4] und Toll Collect[5]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: 800 km, vollständig mautpflichtig, 256 Liter Diesel, 2,68 kg CO₂ je Liter, Euro VI, mindestens fünf Achsen, CO₂-Klasse 1, ohne abzugsfähige Umsatzsteuer. Die CO₂-Maut gibt es seit Dezember 2023. Bei 55 €/t: 164,13 Euro.
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen2 Zeilen
| CO₂ im Diesel (€) | CO₂-Maut (€) | Zusammen (€) | |
|---|---|---|---|
| 2021 · 25 €/t | 17,15 | 0 | 17,15 |
| 2026 · 65 €/t | 44,6 | 126,4 | 171 |
Der Preisdruck bleibt nicht an der Werkstür stehen.
Wenn Energie und Vorleistungen teurer werden, können Unternehmen die höheren Kosten über ihre Verkaufspreise weitergeben; damit kann die Belastung aus Produktion und Transport auch bei den Verbrauchern ankommen.[6] Wie viel weitergegeben wird, hängt vom Wettbewerb, von Ausweichmöglichkeiten und von der Nachfrage ab;[6][7] höhere CO₂-Kosten können auch Unternehmensgewinne und die reale Kaufkraft belasten.[8]
Deshalb gehört die Belastung von Bürgern, Mittelstand und Industrie offen auf den Tisch. Wer Bezahlbarkeit verspricht, muss auch erklären, wie Unternehmen investieren und Haushalte die Übergangsphase finanzieren sollen.
Bis 2031: Kostenrisiko statt Planungssicherheit.
Für 2027 ist die Fortführung des Auktionskorridors von 55 bis 65 Euro/t geplant, aber am Stichtag noch im parlamentarischen Verfahren; ab 2028 soll der ETS2 den Preis für die erfassten Straßenverkehrsemissionen am Markt bilden.[9][10][11] Bei angenommenen 150 Euro/t würde dieselbe Modellladung inklusive unverändert angenommener CO₂-Maut rund 229 Euro, bei 200 Euro/t rund 264 Euro kosten; das sind Szenarien, keine beschlossenen Preise.[4][5]
Was kommt noch auf die Rechnung?
CO₂-Kosten je Lkw-Ladung bei frei gewählten CO₂-Preisen für 2028 bis 2031, in Euro. Keine Prognose und keine Preisobergrenze
Eigene Rechnung nach EBeV 2030[4] und Toll Collect[5]; ETS2 ab 2028: Europäische Kommission[10]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: Identische 800-km-Modellfahrt, CO₂-Maut unverändert mit 126,40 Euro angesetzt, ohne abzugsfähige Umsatzsteuer. Auch niedrigere Preise sind möglich. Eine weiter steigende Kurve ist nicht gesetzlich festgeschrieben.
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen5 Zeilen
| CO₂-Kosten je Ladung (€) | |
|---|---|
| 45 €/t | 157 |
| 65 €/t | 171 |
| 100 €/t | 195 |
| 150 €/t | 229 |
| 200 €/t | 264 |
Klimaschutz muss funktionieren. Nicht nur kassieren.
Meine Forderung ist klar: bezahlbare Alternativen, verlässliche Rahmenbedingungen und nachvollziehbare Entlastung. Wer Veränderung verlangt, muss sie wirtschaftlich möglich machen. Eine steigende Rechnung ersetzt weder eine funktionierende Infrastruktur noch eine finanzierbare Investition.
Die Zahlen richtig lesen
Die Modellfahrt unterstellt 800 vollständig mautpflichtige Kilometer, 256 Liter Diesel, gerundet 2,68 kg CO₂/l, Euro VI, mindestens fünf Achsen und CO₂-Klasse 1; alle Fahrtkosten sind ohne abzugsfähige Umsatzsteuer gerechnet.[4][5] Bei 55 statt 65 Euro/t beträgt die Summe 164,13 statt 171,00 Euro; gesonderte Zertifikatskäufe zu 68 beziehungsweise 70 Euro/t sind im 55–65-Euro-Auktionsmodell nicht enthalten.[3]
CO₂-Bepreisung ist ein Preisimpuls, nicht die Erklärung für die gesamte Inflation: Die Bundesbank veranschlagte in ihrer Prognose vom Dezember 2025 für einen Anstieg von 55 auf 65 Euro/t 2026 einen direkten Inflationsbeitrag von rund 0,1 Prozentpunkten; ein unveränderter CO₂-Preis erzeugt im Folgejahr keinen erneuten direkten Preisschub, und fallende Preise sind ebenfalls möglich.[2] Die Grafiken zeigen deshalb Kostenbestandteile und Szenarien, keine gesamtwirtschaftliche Inflationskurve; Entlastungen, Förderungen und Anpassungen des Verbrauchs sind in der Beispielrechnung nicht berücksichtigt.
Andreas W. HerbCEO MBG Group, Paderborn
PRÜFUNG
Was vor der Veröffentlichung geprüft wurde
- Alle Rechenschritte sind nachgerechnet und folgen aus den genannten Annahmen (800 km, 256 Liter Diesel, 2,68 kg CO₂ je Liter, 15,8 Cent CO₂-Maut je Kilometer).
- Die elf Quellen wurden am 6. Oktober 2026 aufgerufen und mit dem Text abgeglichen.
- Bundesbank (Quellen 1 und 2): Den Weg über die Produktionskosten in die Verbraucherpreise beschreibt sie, schätzt ihn aber als gering ein. Den Satz zu Tanken und Heizen stützt sie sinngemäß, nicht wörtlich. Der Inflationsbeitrag von rund 0,1 Prozentpunkten gilt unter ihrer Annahme von 65 Euro je Tonne für 2026.
- Gerechnet ist mit dem Standardwert für fossilen Diesel (2,676 kg CO₂ je Liter, Quelle 4); ein Bioanteil im handelsüblichen Diesel senkt die CO₂-Kosten je Liter etwas. Der CO₂-Teilsatz der Maut von 15,8 Cent je Kilometer steht in der Mauttabelle ab Dezember 2023 (Quelle 5).
- Die Zertifikatskäufe zu 68 und 70 Euro je Tonne folgen der Versteigerung zeitlich nach: Verkauf im November und Dezember 2026, begrenzter Nachkauf bis 31. August 2027 (Quelle 3).
- Der Preis im ETS2 bildet sich am Markt, wird in den ersten Jahren aber gedämpft: Steigt er über 45 Euro (in Preisen von 2020), kommen zusätzliche Zertifikate aus einer Reserve hinzu (Quelle 10).
QUELLEN
Quellen
Jede Nummer im Text führt zu ihrer Quelle. Die Herkunft steht an jedem Eintrag: amtlich, Medienbericht, Verband, Institut oder Datenportal.
[1] Deutsche Bundesbank, Dezember 2019
Monatsbericht Dezember 2019, Kasten: Zu den Auswirkungen des Klimapakets auf Wirtschaftswachstum und InflationsrateAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[2] Deutsche Bundesbank, 19.12.2025
Deutschland-Prognose: Wirtschaft geht allmählich wieder auf Erholungskurs (Monatsbericht Dezember 2025, Kasten zum ETS2)Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[3] Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt)
nEHS: Verkauf und VersteigerungAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[4] Bundesrecht (gesetze-im-internet.de)
Emissionsberichterstattungsverordnung 2030 (EBeV 2030), Anlage 2: Standardwerte zur Berechnung von BrennstoffemissionenAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[5] Toll Collect, 01.12.2023
Mautsätze pro Kilometer ab 1. Dezember 2023Institut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[6] KfW Research, 18.02.2022
Fokus Volkswirtschaft Nr. 368: Grüne Inflation? Zwischen Klimaschutz und PreisniveaustabilitätInstitut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[7] KfW Research, 20.07.2022
Fokus Volkswirtschaft Nr. 396: Erzeugerpreise und Inflation: Kommt das dicke Ende erst noch?Institut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[8] Europäische Zentralbank, 2023
Wirtschaftsbericht 5/2023, Aufsatz: Die makroökonomischen Implikationen des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen WirtschaftAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[9] Deutscher Bundestag, 07.09.2026
Drucksache 21/7869: Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des BrennstoffemissionshandelsgesetzesAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[10] Europäische Kommission, Stand 02.09.2026
ETS2: buildings, road transport and additional sectorsAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[11] Amtsblatt der Europäischen Union, 11.03.2026
Verordnung (EU) 2026/667 (Verschiebung des ETS2 auf 2028)Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
KORREKTUREN
Korrekturen
Keine Korrekturen seit der Veröffentlichung am 06.10.2026. Jede wesentliche Änderung erscheint hier mit Datum, Grund und altem Wortlaut.
Diese Seite ist Meinung. Unsere Faktenchecks sind es nicht.