HINTERGRUNDKITA-CHECK 2015–2026KINDERTAGESBETREUUNG
Doppelt so teuer, kaum mehr Plätze: Paderborns Kita-Absurdität
Die Kosten für die Kindertagesbetreuung haben sich seit 2015 mehr als verdoppelt – von 48,7 auf 102,5 Millionen Euro. Die Zahl der Kita-Plätze ist im selben Zeitraum nur um 15 Prozent gewachsen. Und 2026 plant die Stadt sogar 118 Plätze weniger als 2025 – bei 3,7 Millionen Euro höheren Kosten.
Grundlage: Auswertung der Haushaltsunterlagen der Stadt Paderborn, liegt der Redaktion vor
3 Minuten Lesezeit6 Quellen0 Korrekturen
Teilen
Inhalt
+110 %
Kita-Aufwand 2015 bis 2026
von 48,7 auf 102,5 Mio. Euro
+15 %
Plätze stadtweit 2015 bis 2026
von 5.233 auf 6.024
+83 %
Kosten je Platz
von 9.306 auf 17.014 Euro
−118
Plätze 2026 gegenüber 2025
von 6.142 auf 6.024
Die Stadt Paderborn gibt für die Kindertagesbetreuung heute mehr als doppelt so viel aus wie vor elf Jahren. Die Zahl der Plätze ist in derselben Zeit um 15 Prozent gestiegen. Für 2026 plant die Stadt weniger Plätze als für 2025, bei höheren Kosten. Alle Zahlen dieses Beitrags stehen in den Haushaltsunterlagen der Stadt; sie sind öffentlich und am Ende verlinkt.[1][2]
Die Kosten: verdoppelt in elf Jahren
Im Kita-Teilhaushalt steigen alle großen Blöcke kräftig: Personal von 19,0 auf 40,5 Millionen Euro (+114 Prozent), Zuschüsse an freie Träger von 27,4 auf 57,4 Millionen Euro (+109 Prozent). Was nach Abzug von Landesgeld und Elternbeiträgen bei der Stadt hängen bleibt, wächst von 17,8 auf 38,3 Millionen Euro (+115 Prozent).[1][2]
Der Kita-Aufwand steigt von 48,7 auf 102,5 Millionen Euro
Ordentlicher Aufwand der Produktgruppe 0601, dazu der Personalanteil und der Betrag, der bei der Stadt bleibt, in Millionen Euro
- Aufwand gesamt
- davon Personal
- Zuschuss der Stadt
Quelle: Stadt Paderborn, Jahresabschlüsse und Haushaltspläne[1][2]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: 2015 bis 2024 Ist laut Jahresabschluss, 2025 und 2026 Haushaltsansatz. Ohne die Kita-Gebäude, die über den Eigenbetrieb Gebäudemanagement laufen
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen12 Zeilen
| Aufwand gesamt (Mio. €) | davon Personal (Mio. €) | Zuschuss der Stadt (Mio. €) | |
|---|---|---|---|
| 2015 | 48,7 | 19 | 17,8 |
| 2016 | 54,1 | 22,1 | 21,2 |
| 2017 | 60,3 | 23,5 | 20,6 |
| 2018 | 63,1 | 27,8 | 26,9 |
| 2019 | 63,7 | 26,5 | 23,5 |
| 2020 | 68,9 | 27,6 | 27,2 |
| 2021 | 73,4 | 28,4 | 28,2 |
| 2022 | 78 | 31,3 | 30,3 |
| 2023 | 82,8 | 33,1 | 29,8 |
| 2024 | 88,5 | 36,4 | 30 |
| 2025 | 98,8 | 41,2 | 37,5 |
| 2026 | 102,5 | 40,5 | 38,3 |
Die Plätze: erst Ausbau, dann Stillstand, jetzt Rückgang
Bis 2022 hat Paderborn rund 800 Plätze aufgebaut. Seitdem steht die Zahl nahezu still: von 6.012 Plätzen im Jahr 2022 auf 6.024 für 2026, ein Plus von 0,2 Prozent. Von 2025 auf 2026 fallen 118 Plätze weg, davon 96 in städtischen Kitas. Die Plätze für Kinder unter drei Jahren sinken seit 2023 von 1.467 auf 1.434.[2][3][5]
Nach dem Ausbau bis 2022 bewegt sich die Zahl der Plätze kaum noch
Kita-Plätze aller Träger in Paderborn, U3 und Ü3 zusammen
- Plätze aller Träger
- davon städtische Kitas
Quelle: Stadt Paderborn, Haushaltspläne und Statistisches Jahrbuch[2][3][4][5]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: 2015, 2016, 2025 und 2026 Planwerte, 2022 Statistisches Jahrbuch, 2023 und 2024 Ist laut Landesabrechnung. Für 2017 bis 2021 gibt es keine stadtweite Zahl: Zwischen 2016 und 2022 verbindet die Linie zwei gemessene Punkte, dazwischen liegt kein Wert vor. Die Achse beginnt bei null, deshalb fällt die geringe Bewegung der letzten Jahre optisch kaum auf
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen12 Zeilen
| Plätze aller Träger (Plätze) | davon städtische Kitas (Plätze) | |
|---|---|---|
| 2015 | 5.233 | 2.461 |
| 2016 | 5.217 | 2.513 |
| 2017 | – | 2.568 |
| 2018 | – | 2.688 |
| 2019 | – | 2.768 |
| 2020 | – | 2.851 |
| 2021 | – | 2.851 |
| 2022 | 6.012 | 2.840 |
| 2023 | 5.992 | 2.840 |
| 2024 | 6.091 | 2.930 |
| 2025 | 6.142 | 3.018 |
| 2026 | 6.024 | 2.922 |
Wo die Absurdität liegt
Langfristig sind die Plätze nicht gesunken. Die Schere öffnet sich seit 2022: Die Kosten steigen in vier Jahren um 31 Prozent, von 78,0 auf 102,5 Millionen Euro. Die Zahl der Plätze wächst in derselben Zeit um 0,2 Prozent, von 6.012 auf 6.024. Je Platz zahlt die Stadt damit heute 17.014 Euro im Jahr statt 9.306 Euro im Jahr 2015.[1][2][3][4][5]
Jeder Platz kostet 17.014 Euro im Jahr statt 9.306 Euro
Aufwand der Produktgruppe 0601 geteilt durch die Zahl der Plätze aller Träger, in Euro je Platz und Jahr
Quelle: eigene Berechnung aus den Angaben der Stadt Paderborn[1][2][3][4][5]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: Für 2017 bis 2021 fehlt die stadtweite Platzzahl, deshalb lässt sich der Wert dieser Jahre nicht bilden. Zwischen 2016 und 2022 verbindet die Linie zwei gemessene Punkte, dazwischen liegt kein Wert vor
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen12 Zeilen
| Kosten je Platz (€ je Platz) | |
|---|---|
| 2015 | 9.306 |
| 2016 | 10.362 |
| 2017 | – |
| 2018 | – |
| 2019 | – |
| 2020 | – |
| 2021 | – |
| 2022 | 12.974 |
| 2023 | 13.823 |
| 2024 | 14.528 |
| 2025 | 16.078 |
| 2026 | 17.014 |
Alle Jahre im Überblick
| Jahr | Aufwand Mio. € | davon Personal | Zuschuss Stadt | Plätze gesamt | Plätze städtisch | € je Platz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2015 | 48,7 | 19,0 | 17,8 | 5.233 | 2.461 | 9.306 |
| 2016 | 54,1 | 22,1 | 21,2 | 5.217 | 2.513 | 10.362 |
| 2017 | 60,3 | 23,5 | 20,6 | – | 2.568 | – |
| 2018 | 63,1 | 27,8 | 26,9 | – | 2.688 | – |
| 2019 | 63,7 | 26,5 | 23,5 | – | 2.768 | – |
| 2020 | 68,9 | 27,6 | 27,2 | – | 2.851 | – |
| 2021 | 73,4 | 28,4 | 28,2 | – | 2.851 | – |
| 2022 | 78,0 | 31,3 | 30,3 | 6.012 | 2.840 | 12.974 |
| 2023 | 82,8 | 33,1 | 29,8 | 5.992 | 2.840 | 13.823 |
| 2024 | 88,5 | 36,4 | 30,0 | 6.091 | 2.930 | 14.528 |
| 2025 (Plan) | 98,8 | 41,2 | 37,5 | 6.142 | 3.018 | 16.078 |
| 2026 (Plan) | 102,5 | 40,5 | 38,3 | 6.024 | 2.922 | 17.014 |
Plätze 2015 und 2016 sind Planwerte aus dem Haushalt 2016. Die städtischen Plätze 2015 bis 2022 stehen im Statistischen Jahrbuch, ab 2023 im Haushaltsplan. Plätze werden je Kita-Jahr gemeldet, Kosten je Kalenderjahr; die Zuordnung ist daher näherungsweise.[1][2][3][4][5]
Was jetzt passieren muss
Der folgende Abschnitt ist Bewertung, nicht Befund. Er enthält Forderungen dieser Redaktion und keine Feststellung einer Behörde.
Nicht bei den Kitas sparen – aber jeden Euro in Plätze verwandeln. Konkret: Verwaltungsaufwand per Digitalisierung und KI aus der Kita holen, Alltagshelfer einsetzen, Betreuungszeiten nach echtem Bedarf buchen (heute rund 60 Prozent der Ü3-Buchungen mit 45 Stunden), Gruppen bis zur gesetzlichen Grenze belegen, einen Vertretungspool aufbauen statt Gruppen zu schließen, frei werdende Verwaltungskräfte als Kita-Assistenz umschulen.[2]
Und vor allem: messen. Ziel wäre, den Rückgang 2026 zu stoppen und bis zum Kita-Jahr 2028/29 rund 8 Prozent mehr Plätze mit dem vorhandenen Personal zu schaffen. Ein großer freier Träger warnt bereits vor einem Wegfall von Betreuungsplätzen durch das Sparpaket der Stadt.[6]
METHODIK
Methodik
Die Kostenwerte sind der Teilergebnisrechnung der Produktgruppe 0601 entnommen, 2015 bis 2024 als Ist aus den Jahresabschlüssen, 2025 und 2026 als Ansatz aus den Haushaltsplänen.
Die Kosten je Platz sind eine eigene Berechnung: Aufwand der Produktgruppe 0601 geteilt durch die Zahl der Plätze aller Träger im selben Jahr. Fehlt eine Platzzahl, fehlt auch der Wert.
Die Achsen der Grafiken beginnen bei null. Das ist die Vorgabe des Hauses (docs/04-designsystem.md): Eine abgeschnittene Achse lässt kleine Unterschiede groß aussehen. Die Bewegung der Platzzahlen fällt dadurch optisch gering aus – genau das ist der Befund.
Die Gebäudekosten der Kitas sind nicht enthalten. Sie laufen über den Eigenbetrieb Gebäudemanagement und stehen nicht in dieser Produktgruppe.
PRÜFUNG
Was vor der Veröffentlichung geprüft wurde
- Alle Zahlen stammen aus Jahresabschlüssen, Haushaltsplänen und dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Paderborn. Die Dokumente sind unter Quellen mit Fundstelle verlinkt.
- Die Redaktion stützt sich auf die vorliegende Auswertung dieser Unterlagen. Eine eigene Nachrechnung jeder Einzelzahl an den Original-Dateien der Stadt steht aus; wer eine Abweichung findet, melde sie bitte über „Fehler melden“.
- Plätze werden je Kita-Jahr gemeldet, Kosten je Kalenderjahr. Die Zuordnung in Tabelle und Grafiken ist deshalb näherungsweise, nicht taggenau.
- Für 2017 bis 2021 liegen keine stadtweiten Platzzahlen vor. Diese Jahre bleiben in den Grafiken und in der Tabelle leer; sie werden nicht geschätzt.
- Eine Stellungnahme der Stadt Paderborn lag bei Veröffentlichung nicht vor.
QUELLEN
Quellen
Jede Nummer im Text führt zu ihrer Quelle. Die Herkunft steht an jedem Eintrag: amtlich, Medienbericht, Verband, Institut oder Datenportal.
[1] Stadt Paderborn
Jahresabschlüsse 2015 bis 2024, Teilergebnisrechnung Produktgruppe 0601 „Förderung von Kindern in Tagesbetreuung“Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[2] Stadt Paderborn
Haushaltsplan 2026, Band 3: Produktgruppe 0601, Grunddaten Kitas, Plan 2025 und 2026Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[3] Stadt Paderborn
Haushaltsplan 2025, Band III: Grunddaten Kitas, Ist 2023Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[4] Stadt Paderborn
Haushaltsplan 2016, Band II: Grunddaten Kitas, Plan 2015 und 2016Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[5] Stadt Paderborn
Statistisches Jahrbuch 2022, Tabellen 6.5 und 6.6: Plätze städtischer und freier KitasAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[6] Neue Westfälische
100-Millionen-Sparpaket in Paderborn: Großer Kita-Träger befürchtet Wegfall von BetreuungsplätzenMedienbericht↑ zurück zum Text
KORREKTUREN
Korrekturen
Keine Korrekturen seit der Veröffentlichung am 18.10.2026. Jede wesentliche Änderung erscheint hier mit Datum, Grund und altem Wortlaut.