HINTERGRUNDHAUSHALTS-CHECK 2014–2026PADERBORN
Das Rathaus wächst und wächst: 817 Stellen mehr, doppelte Kosten – und für KI null Euro eingeplant
Seit 2014 hat Paderborn seine Verwaltung um 57 Prozent aufgestockt, die Personalkosten mehr als verdoppelt und die Schulden je Einwohner bis 2026 auf das 2,6-Fache von 2019 getrieben. Jetzt kommt die Haushaltssicherung. Trotzdem stehen im Stellenplan 2026 erneut mehr Stellen als im Vorjahr.
Grundlage: Auswertung der Haushaltsunterlagen der Stadt Paderborn, liegt der Redaktion vor
5 Minuten Lesezeit9 Quellen0 Korrekturen
Teilen
Inhalt
+817
Stellen seit 2014
von 1.433 auf 2.250
+108 %
Personal- und Versorgungsaufwand seit 2014
von 87,8 auf 182,4 Mio. Euro
+9 %
Einwohner im selben Zeitraum
von 145.176 auf 158.044
3.875 €
Schulden je Einwohner 2026
2019 waren es 1.488 Euro
Jedes Jahr ein Stück mehr Rathaus
Die Zahlen stammen nicht von Kritikern, sondern aus dem Haushaltsplan der Stadt selbst.[1] 2014 kamen auf 1.000 Paderborner 9,87 Stellen in der Stadtverwaltung. 2026 sind es 14,23. Das ist ein Plus von 44 Prozent – und zwar ohne ein einziges Jahr Pause: Seit 2014 ist der Wert jedes Jahr gestiegen, dreizehn Mal in Folge. Die Zahl der Stellen wuchs von 1.432,6 auf 2.249,6. Die Einwohnerzahl stieg im gleichen Zeitraum nur von 145.176 auf voraussichtlich 158.044, also um knapp 9 Prozent.
Dreizehn Jahre in Folge mehr Stellen je 1.000 Einwohner
Planstellen der Stadtverwaltung Paderborn je 1.000 Einwohner, 2014 bis 2026
Quelle: Stadt Paderborn, Haushaltsplan 2026, Band 1, Seite 170[1]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: 2025 und 2026 Plan; Einwohnerzahlen dieser Jahre nach Vorausberechnung von IT.NRW. Die Achse beginnt bei null, wie in allen Grafiken dieses Hauses
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen13 Zeilen
| Stellen je 1.000 Einwohner (Stellen je 1.000 EW) | |
|---|---|
| 2014 | 9,87 |
| 2015 | 10,25 |
| 2016 | 10,87 |
| 2017 | 11,18 |
| 2018 | 11,28 |
| 2019 | 11,92 |
| 2020 | 12,32 |
| 2021 | 12,62 |
| 2022 | 12,92 |
| 2023 | 13,57 |
| 2024 | 13,83 |
| 2025 | 14,19 |
| 2026 | 14,23 |
Die Ausgaben haben sich fast verdoppelt
2014 gab die Stadt im laufenden Haushalt 341 Millionen Euro aus. 2026 sollen es 674 Millionen Euro sein – ein Plus von 98 Prozent.[1][2] Die Preise sind im selben Zeitraum um rund 30 Prozent gestiegen.[5] Noch stärker als die Gesamtausgaben legten die Personal- und Pensionskosten zu: von 87,8 auf 182,4 Millionen Euro, also um 108 Prozent. Je Einwohner sind das 2026 rund 1.154 Euro, 2014 waren es 605 Euro.
Ausgaben und Personalkosten wachsen schneller als die Zahl der Stellen
Entwicklung seit 2014, Index: 2014 = 100
- Ausgaben
- Personal und Pensionen
- Stellen
Quelle: eigene Berechnung aus Tabelle 1; Jahresabschlüsse und Haushaltsplan 2026[1][2]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: 2025 und 2026 Planwerte. Die Preisentwicklung ist hier nicht eingezeichnet: Die Jahreswerte des Verbraucherpreisindex gehören nicht zur vorliegenden Auswertung. Zum Vergleich im Text: rund 30 Prozent Preisanstieg im selben Zeitraum{5}
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen13 Zeilen
| Ausgaben (Index) | Personal und Pensionen (Index) | Stellen (Index) | |
|---|---|---|---|
| 2014 | 100 | 100 | 100 |
| 2015 | 106 | 103 | 106 |
| 2016 | 119 | 114 | 113 |
| 2017 | 124 | 118 | 116 |
| 2018 | 128 | 129 | 119 |
| 2019 | 136 | 142 | 126 |
| 2020 | 139 | 148 | 131 |
| 2021 | 147 | 146 | 134 |
| 2022 | 157 | 166 | 140 |
| 2023 | 164 | 169 | 147 |
| 2024 | 172 | 192 | 151 |
| 2025 | 191 | 216 | 156 |
| 2026 | 198 | 208 | 157 |
Alle Jahre im Überblick
| Jahr | Ausgaben | Einnahmen | Jahresergebnis | Personal + Pensionen | Stellen | Stellen je 1.000 EW |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2014 | 341,4 | 325,5 | −11,9 | 87,8 | 1.432,6 | 9,87 |
| 2015 | 361,3 | 349,8 | −4,9 | 90,0 | 1.519,0 | 10,25 |
| 2016 | 407,6 | 409,5 | +8,8 | 100,5 | 1.616,5 | 10,87 |
| 2017 | 423,8 | 405,3 | −11,0 | 103,7 | 1.667,1 | 11,18 |
| 2018 | 437,5 | 439,1 | +9,7 | 113,5 | 1.698,8 | 11,28 |
| 2019 | 464,4 | 453,3 | −2,6 | 124,8 | 1.807,1 | 11,92 |
| 2020 | 473,2 | 458,3 | −2,3 | 130,1 | 1.870,6 | 12,32 |
| 2021 | 502,0 | 486,8 | −2,3 | 128,6 | 1.925,0 | 12,62 |
| 2022 | 535,6 | 530,2 | +4,1 | 145,5 | 1.998,7 | 12,92 |
| 2023 | 560,8 | 558,2 | +5,5 | 148,2 | 2.112,9 | 13,57 |
| 2024 | 586,6 | 567,2 | −11,0 | 168,9 | 2.162,1 | 13,83 |
| 2025 (Plan) | 651,7 | 575,8 | −56,4 | 189,4 | 2.239,3 | 14,19 |
| 2026 (Plan) | 674,5 | 610,0 | −25,9 | 182,4 | 2.249,6 | 14,23 |
| 2014 bis 2026 | +98 % | +87 % | – | +108 % | +57 % | +44 % |
Ist-Werte aus den Jahresabschlüssen 2014 bis 2024, 2025 und 2026 Haushaltsansätze. Jahresergebnis 2020 bis 2024 laut Vorbericht 2026 nach Corona-Isolierung, 2025 und 2026 nach Abzug der pauschalen Kürzungsvorgabe. Personal und Pensionen bedeutet Personal- und Versorgungsaufwand einschließlich Rückstellungen. Stellen sind Planstellen laut Stellenplan.[1][2]
Schulden: von 1.488 auf 3.875 Euro je Einwohner
Lange galt Paderborn als solide. 2019 lagen die Kredite von Stadt und städtischen Eigenbetrieben bei 1.488 Euro je Einwohner. Für Ende 2026 plant die Stadt 3.875 Euro – das 2,6-Fache.[1]
Die Schulden je Einwohner liegen 2026 beim 2,6-Fachen von 2019
Kredite von Kernverwaltung und eigenbetriebsähnlichen Einrichtungen, jeweils zum 31. Dezember
Quelle: Stadt Paderborn, Haushaltsplan 2026, Band 1, Abbildung 34[1]. Grafik aus den Zahlen des Textes neu gezeichnet.
Grenzen der Daten: Die Jahre dazwischen gehören nicht zur vorliegenden Auswertung und stehen deshalb nicht in der Grafik
Grafik als Bild herunterladen (PNG)
Datentabelle anzeigen2 Zeilen
| Schulden je Einwohner (€ je Einwohner) | |
|---|---|
| 2019 | 1.488 |
| 2026 (Plan) | 3.875 |
Kassenkredite im Kernhaushalt, Ende 2019 gegenüber Ende 2026
4 Mio. → 157,7 Mio. €
Kassenkredite sind Schulden, mit denen laufende Ausgaben bezahlt werden – der Dispo einer Kommune. Ende 2019 waren es im Kernhaushalt knapp 4 Millionen Euro, für Ende 2026 plant die Stadt 157,7 Millionen Euro, rund das 40-Fache.[1][2]
Gleichzeitig schmilzt das Eigenkapital. Die Rücklagen der Stadt sollen von 665 Millionen Euro Ende 2024 bis 2029 auf 454 Millionen Euro sinken, ein Minus von fast 32 Prozent.[1] Ohne Gegensteuern rechnen die Berater von PD ab 2032 mit negativem Eigenkapital und bis 2037 mit minus 544 Millionen Euro.[3]
Haushaltssicherung – und trotzdem mehr Stellen
Stadt und Kreis sind sich laut Haushaltsplan einig, dass ein Haushaltssicherungskonzept ab 2027 „unvermeidbar“ ist.[1] Schon für 2025 plante die Stadt ein Defizit von 56 Millionen Euro – und schuf im selben Jahr 77 zusätzliche Stellen. 2026 kommen noch einmal 10 Stellen hinzu. Die Ausgaben steigen 2026 auf 674 Millionen Euro und sollen laut Finanzplanung bis 2029 auf 712 Millionen Euro klettern.[1]
PD schlägt vor, bis 2037 rund 390 Vollzeitstellen über natürliche Fluktuation abzubauen, verteilt auf elf Jahre.[3] Allein seit 2019 sind aber 442 Stellen hinzugekommen.[1] Selbst wenn der Plan vollständig umgesetzt wird, hätte Paderborn 2037 also mehr Stellen als 2019. Im Gutachten steht außerdem die Maßnahme „Ausbau der Nutzung von KI“ – mit einem Konsolidierungsbeitrag von „/“. Kein einziger Euro ist beziffert.[3]
Was für die Stadt spricht
Zur Fairness gehört: Einen Teil des Zuwachses hat die Stadt nicht allein in der Hand. Rechtsanspruch auf Kita-Plätze, Ganztag, Brandschutzbedarfsplan und Tarifabschlüsse treiben die Kosten. Allein die Kita-Beschäftigten kosten 2026 rund 40,5 Millionen Euro. Kitas und Feuerwehr will auch PD vom Stellenabbau ausnehmen.[1][3]
Kommentar: Im Zeitalter der KI baut Paderborn Stellen auf statt ab
Ab hier steht Bewertung, nicht Befund. Der Kommentar, das Rechenbeispiel und die Forderungen geben die Sicht dieser Redaktion wieder. Die Zahlen darin sind wie überall belegt, die Schlüsse daraus sind es nicht.
Während viele Unternehmen ihre Verwaltung längst mit Künstlicher Intelligenz umbauen, plant das Paderborner Rathaus in Elfjahresschritten. Dabei liegen Einschätzungen zum Potenzial vor: Nach McKinsey ließe sich der Personalbedarf im öffentlichen Dienst durch generative KI um bis zu ein Drittel senken, und besonders profitieren würden ausdrücklich die Kommunalverwaltungen.[6] Mit KI-Agenten, die Vorgänge selbstständig abarbeiten, hält dasselbe Haus eine Halbierung des zusätzlichen Personalbedarfs für möglich.[7] Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages verweisen auf eine Studie, nach der KI bei rund 70 Prozent der Verwaltungsarbeitsplätze unterstützen kann.[8]
In der Praxis passiert davon in den Kommunen wenig: Laut einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft von 2025 hatten nur 0,3 Prozent der kommunalen Stellenanzeigen überhaupt einen KI-Bezug.[9] Paderborn ist da keine Ausnahme – im Stellenplan wachsen die Stellen, im Sparplan steht für KI ein Schrägstrich.
rund 50 Mio. €
wenn Paderborn so viele Stellen je Einwohner hätte wie 2014
9,87 je 1.000 Einwohner wären rund 1.560 statt 2.250 Stellen, etwa 690 weniger[1][4]
rund 14 Mio. €
wenn KI die Hälfte der Arbeit der Inneren Verwaltung übernähme
Personalkosten der Inneren Verwaltung 2026: 28,5 Mio. Euro[1]
Daraus folgen vier Forderungen. Erstens ein Stellenstopp: keine neuen Stellen außerhalb von Kita und Feuerwehr, bis das Haushaltssicherungskonzept beschlossen ist. Zweitens ein KI-Ziel in Euro, also ein verbindliches, beziffertes Einsparziel durch KI und Automatisierung im Haushalt 2027, mit jährlichem Bericht an den Rat. Drittens eine Zielmarke bei den Stellen je Einwohner: zurück auf das Niveau von 2019, 11,9 je 1.000, bis 2030. Viertens Transparenz: jährliche Veröffentlichung von Stellen, Personalkosten und KI-Projekten je Fachbereich.
METHODIK
Methodik
Die Haushaltszahlen stammen aus den Jahresabschlüssen 2014 bis 2024 und dem Haushaltsplan 2026. Personal- und Versorgungsaufwand 2016 bis 2026 nach der Zeitreihe im Vorbericht 2026 (Abbildung 20), 2014 und 2015 nach der Ergebnisrechnung der Jahresabschlüsse.
Die Indexreihen der zweiten Grafik sind aus den Werten der Tabelle gerechnet: jeder Wert geteilt durch den Wert von 2014, mal 100, auf ganze Zahlen gerundet.
Prozentangaben im Text sind eigene Berechnungen aus denselben Werten.
Die Achsen aller Grafiken beginnen bei null (docs/04-designsystem.md). Eine abgeschnittene Achse lässt kleine Unterschiede groß aussehen.
Stellen sind Planstellen laut Stellenplan, nicht besetzte Vollzeitstellen. PD nennt rund 2.040 besetzte Stellen.
PRÜFUNG
Was vor der Veröffentlichung geprüft wurde
- Alle Haushaltszahlen stammen aus den öffentlich zugänglichen Jahresabschlüssen und dem Haushaltsplan 2026 der Stadt Paderborn. Werte bis 2024 sind geprüfte Ist-Ergebnisse, 2025 und 2026 sind Planwerte.
- Die Redaktion stützt sich auf die vorliegende Auswertung dieser Unterlagen. Eine eigene Nachrechnung jeder Einzelzahl an den Original-Dateien der Stadt steht aus; wer eine Abweichung findet, melde sie bitte über „Fehler melden“.
- Stellen sind Planstellen laut Stellenplan. Die tatsächlich besetzten Vollzeitstellen liegen niedriger; PD nennt rund 2.040. Das ist beim Lesen jeder Stellenzahl mitzudenken.
- Die Einwohnerzahlen 2025 und 2026 sind eine Vorausberechnung von IT.NRW, keine gezählten Werte.
- Die Angaben zu KI stammen aus Veröffentlichungen von McKinsey, den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages und einer IW-Auswertung. Sie sind Einschätzungen über den öffentlichen Dienst allgemein, keine Messung für Paderborn.
- Eine Stellungnahme der Stadt Paderborn lag bei Veröffentlichung nicht vor. Was die Stadt zur Erklärung des Zuwachses anführt, steht im Abschnitt „Was für die Stadt spricht“.
QUELLEN
Quellen
Jede Nummer im Text führt zu ihrer Quelle. Die Herkunft steht an jedem Eintrag: amtlich, Medienbericht, Verband, Institut oder Datenportal.
[1] Stadt Paderborn
Haushaltsplan 2026, Band 1: Vorbericht und Anlagen, unter anderem Stellenentwicklung 2006 bis 2026 (Seite 170) sowie Abbildungen 20, 32 und 34Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[2] Stadt Paderborn
Jahresabschlüsse 2014 bis 2024, ErgebnisrechnungenAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
[3] PD – Berater der öffentlichen Hand, 01.10.2026
Konsolidierungskonzept für die Stadt PaderbornInstitut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[4] Stadt Paderborn, Oktober 2026
Pressemitteilung „Beratungsunternehmen stellt dem Rat Sparvorschläge vor“Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[5] Statistisches Bundesamt
Verbraucherpreisindex, Jahresdurchschnitte (2020 = 100)Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[6] McKinsey & Company, 15.07.2024
Generative KI könnte Fachkräftelücke im öffentlichen Dienst um ein Drittel verkleinernInstitut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[7] McKinsey & Company, 15.05.2025
KI-Agenten im Einsatz: So wird die öffentliche Verwaltung zukunftssicherInstitut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[8] Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages
Künstliche Intelligenz: Einsatz in der öffentlichen Verwaltung (WD 7-004-25)Amtliche Quelle↑ zurück zum Text
[9] Berliner Morgenpost, 15.07.2026
Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft zu KI-Stellen in BehördenMedienbericht↑ zurück zum Text
KORREKTUREN
Korrekturen
Keine Korrekturen seit der Veröffentlichung am 18.10.2026. Jede wesentliche Änderung erscheint hier mit Datum, Grund und altem Wortlaut.