MEINUNGKOMMENTARLARS KLINGBEIL
Klingbeil bei Antifa aktiv? Herr Klingbeil, mit wem waren Sie aktiv?
Drei Fragen an den Vizekanzler und Bundesfinanzminister zu einem Satz, den er 2019 gesagt und seitdem erklärt, aber nie aufgelöst hat.
Von Andreas W. Herb, CEO MBG Group, Paderborn
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Inhalt
Im Dezember 2019 erzählte Lars Klingbeil in einer ARD-Dokumentation, wie er zur Politik kam. Er habe sich gegen Rechts eingesetzt und sei „bei uns in der Antifa mit aktiv gewesen“.[1] Seitdem hat er den Satz mehrfach erklärt. 2022 sagte er, er sei nie „organisiert“ gewesen; jeder gute Demokrat solle Antifaschist sein.[2] 2025 sagte er der ZEIT, er wolle das „gar nicht dementieren“, „jeder vernünftige Demokrat sollte Antifaschist sein“; in der organisierten Antifa sei er nicht gewesen, das habe er „salopp dahergesagt“.[3]
Das sind Erklärungen, keine Antwort. Welchen Zusammenhang er 2019 mit „bei uns“ meinte, hat er bis heute nicht gesagt. Ein Vizekanzler und Bundesfinanzminister schuldet der Öffentlichkeit an dieser Stelle Klarheit. Die vollständige Chronologie seiner Aussagen mit allen Quellen steht im Hintergrund Klingbeil und die Antifa: Was er wann gesagt hat.
Drei Fragen
Erstens: Mit wem waren Sie aktiv? In welcher Gruppe oder welchem Zusammenhang waren Sie „bei uns in der Antifa mit aktiv“, in welchem Zeitraum und in welcher Rolle? Wenn es die Proteste gegen das Neonazi-Zentrum Hetendorf waren, die Sie mitorganisiert haben, dann sagen Sie genau das.
Zweitens: Distanzieren Sie sich ausdrücklich von militanten und gewaltbereiten Antifa-Gruppen, insbesondere von denen, die der Verfassungsschutz als linksextremistisch einstuft. Politische Gewalt haben Sie allgemein abgelehnt: „Gewalt darf niemals Mittel der Politik sein“, sagten Sie 2020.[4] Eine ausdrückliche Distanzierung von diesen Gruppen haben wir nicht gefunden.
Drittens: Unterhalten Sie heute Verbindungen zu Gruppen, die sich als „Antifa“ bezeichnen? Ein klares Nein würde genügen.
Haltung und Szene sind zwei Dinge
Auf Nachfragen antwortet Klingbeil mit demselben Satz: Jeder Demokrat solle Antifaschist sein. Dem stimme ich zu. Gegen Faschismus sind CDU, CSU, FDP, Grüne, SPD und die überwältigende Mehrheit der Bürger. Aber der Satz beantwortet eine andere Frage als die gestellte. Keiner der vielen Antifaschisten in diesem Land sagt deshalb, er sei „in der Antifa aktiv“ gewesen. Wer sagt, er sei „bei den Grünen aktiv“ gewesen, meint eine Organisation und nicht seine Liebe zur Natur.
Der Begriff ist doppeldeutig, und genau deshalb verdient er eine genaue Antwort. Das Bundesamt für Verfassungsschutz unterscheidet ausdrücklich: Für die einen ist Antifaschismus ein demokratisches Grundprinzip, für Linksextremisten ein Kampfbegriff. Es gibt keine einheitliche Organisation „Antifa“, aber gewaltorientierte Gruppen, die unter diesem Namen auftreten, und Linksextremisten, die den Konsens gegen Rechtsextremismus nutzen wollen, um als Partner von Demokraten zu gelten.[5] Wer „in der Antifa mit aktiv“ war, sollte sagen können, auf welcher Seite dieser Unterscheidung er stand.
Was auch dazugehört
Wer Klarheit verlangt, muss selbst sauber arbeiten. Im Umlauf ist ein angebliches Klingbeil-Zitat, er habe die Antifa als „demokratieschützend“ verteidigt. Ein dpa-Faktencheck hat gezeigt: Das ist falsch, in der betreffenden Pressekonferenz hat er das Wort nicht benutzt.[2] Solche Zitate schaden der berechtigten Frage, statt ihr zu helfen.
Was ich ausdrücklich nicht behaupte
Ich behaupte nicht, dass Lars Klingbeil selbst Gewalt ausgeübt oder unterstützt hat. Dafür liegen keine Belege vor; keine der geprüften Quellen bringt ihn damit in Verbindung. Gerade deshalb sollte ihm die Antwort leichtfallen. Es geht nicht um eine Vorverurteilung, sondern um Transparenz von einem der wichtigsten Amtsträger der Bundesrepublik.
Andreas W. HerbCEO MBG Group, Paderborn
PRÜFUNG
Was vor der Veröffentlichung geprüft wurde
- Alle Aussagen Klingbeils wurden am 7. Oktober 2026 in den Originalquellen geprüft; die Chronologie mit allen Belegen steht im Hintergrundbericht „Klingbeil und die Antifa“.
- Die ARD-Dokumentation von 2019 ist nicht mehr abrufbar; überliefert ist ein kurzer Ausschnitt mit einer Auslassung (Quelle 1).
- Eine ausdrückliche Distanzierung von militanten Antifa-Gruppen haben wir nicht gefunden; soziale Netzwerke und nicht digitalisierte Archive konnten nicht vollständig durchsucht werden.
QUELLEN
Quellen
Jede Nummer im Text führt zu ihrer Quelle. Die Herkunft steht an jedem Eintrag: amtlich, Medienbericht, Verband, Institut oder Datenportal.
[1] NIUS, 12.06.2024
Hier erzählt SPD-Chef Klingbeil über seine Antifa-Vergangenheit (Ausschnitt aus der ARD-Dokumentation „Die Notregierung – Ungeliebte Koalition“, 02.12.2019)Medienbericht↑ zurück zum Text
[2] dpa-Faktencheck, 15.05.2025
Falsches Zitat – Klingbeil bezog Stellung zu Unions-Anfrage (mit Wiedergabe des Tagesschau-Interviews vom 11.09.2022)Medienbericht↑ zurück zum Text
[3] DIE ZEIT, 26.04.2025
Lars Klingbeil: „Man blickt anders auf das Leben, wenn man kurz vor der Klippe stand“ (Interview)Medienbericht↑ zurück zum Text
[4] SPD, 18.02.2020
Wir überlassen den Rechten nicht den Platz (Gespräch mit Lars Klingbeil)Institut oder Körperschaft↑ zurück zum Text
[5] Bundesamt für Verfassungsschutz, Stand März 2026
Die „Antifa“: Antifaschistischer Kampf im LinksextremismusAmtliche Quelle↑ zurück zum Text
KORREKTUREN
Korrekturen
Keine Korrekturen seit der Veröffentlichung am 07.10.2026. Jede wesentliche Änderung erscheint hier mit Datum, Grund und altem Wortlaut.
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