ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 50
Sollen alle größeren staatlichen Förderprogramme ein veröffentlichtes Ablaufdatum und eine unabhängige Erfolgskontrolle erhalten?
Förderrichtlinien des Bundes sollen schon heute befristet sein, und ihr Erfolg muss kontrolliert werden. Wer kontrolliert, wird im Einzelfall entschieden. Bei 46 von 47 Förderrichtlinien des Umweltministeriums aus den Jahren 2016 bis 2021 fehlte nach dem Bundesrechnungshof die vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vor dem Start.
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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 10: Staatshaushalt und Verschuldung · Ergebnisse ansehen
VOR DER STIMME
Die Fakten
Fördert der Staat Unternehmen, Vereine, Hochschulen oder Kommunen, spricht das Haushaltsrecht von Zuwendungen. Der Bund darf sie nur einplanen, wenn er an dem Zweck ein erhebliches Interesse hat, das ohne die Förderung nicht oder nicht im nötigen Umfang erfüllt würde. [1] Für alle Maßnahmen, die Geld kosten, muss er angemessen untersuchen, ob sie wirtschaftlich sind. [2] Dazu gehört nach den Verwaltungsvorschriften eine Erfolgskontrolle. Sie prüft, ob das Ziel erreicht wurde, ob das Programm gewirkt hat und ob es wirtschaftlich war. [3] Die Pflicht zur Wirtschaftlichkeitsuntersuchung gilt nach dem Haushaltsgrundsätzegesetz auch für die Länder. [4] Programme der EU mit erheblichen Ausgaben müssen vorab und im Nachhinein bewertet werden. [5]
Die Richtlinien, nach denen ein Programm fördert, haben nach den Verwaltungsvorschriften eine Geltungsdauer und sind grundsätzlich zu befristen. [3] Zahlungen des Bundes an die Länder für besonders bedeutsame Investitionen sind nach dem Grundgesetz befristet zu gewähren und regelmäßig zu überprüfen. [6] Befristete Maßnahmen können verlängert werden. [7] Die Städtebauförderung etwa, heute eine solche Zahlung an die Länder, gibt es seit 1971. [8] Externe Stellen können nach Angaben der Bundesregierung wesentlich zur Erfolgskontrolle beitragen, besonders wenn wissenschaftliche Methoden nötig sind. [3]
Eine einheitliche Definition von „Förderprogramm“ gibt es nicht. In der Förderdatenbank des Bundes standen Anfang 2025 414 Programme des Bundes. Daten zu ihrem Gesamtvolumen liegen der Bundesregierung nicht gesammelt vor. [3] Das damalige Bundeswirtschaftsministerium verantwortete Ende 2024 rund 200 Fördermaßnahmen, darunter rund 125 Förderprogramme. Dafür flossen jährlich rund 2 Milliarden Euro aus seinem Haushalt und rund 10 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds. [9] Zahlungen des Bundes, die Unternehmen zugutekommen, heißen im Subventionsbericht Finanzhilfen. Nach dem Bericht vom September 2025 waren 16 von 139 Finanzhilfen unbefristet. Auf sie entfielen 2025 rund 21,3 von 58,2 Milliarden Euro, also 36,6 Prozent. [7] Der Bundesrechnungshof prüfte 47 Förderrichtlinien des Bundesumweltministeriums aus den Jahren 2016 bis 2021 mit geplanten Ausgaben von rund 2,8 Milliarden Euro. Nur für eine lag vorab eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vor. Bei 32 waren keine Überlegungen zum Förderbedarf dokumentiert. Das Ministerium verwies auf neue interne Leitlinien. Eine vom Rechnungshof empfohlene zusätzliche Kontrolle durch den Beauftragten für den Haushalt im Ministerium lehnte es als unverhältnismäßig ab. [10] Die Expertenkommission Forschung und Innovation stellte 2024 fest: Viele Evaluationen zur Forschungs- und Innovationspolitik im Auftrag der Bundesregierung zeigen nicht, ob beobachtete Entwicklungen tatsächlich auf die untersuchten Maßnahmen zurückgehen. [11]
CDU, CSU und SPD haben 2025 vereinbart, alle Förderprogramme auf Zielgerichtetheit und Wirksamkeit zu überprüfen und das Zuwendungsrecht zu verschlanken. Bei den Förderprogrammen im Bundeshaushalt wollen sie insgesamt eine Milliarde Euro einsparen. [12] Im Juli 2025 schloss das Kabinett eine Überprüfung des Finanzministeriums und zweier weiterer Ministerien zur Wirkungsorientierung im Haushalt ab. [13] Ihr Rahmenkonzept sieht vor: Wer ein Programm evaluiert, wird im Einzelfall entschieden, von der zuständigen Stelle selbst bis zu Externen. Bei großen Maßnahmen mit hoher politischer Bedeutung kann es nötig sein, externe Fachleute zu beauftragen. Berichte sollen veröffentlicht werden, wenn ein Programm wegen seiner Ausgaben, seiner politischen Bedeutung oder seiner Wirkungen für die Öffentlichkeit wichtig ist. Verbindlich werden soll das Konzept schrittweise. Zunächst sollen die Ministerien es freiwillig erproben. [9] Nach dem Entwurf des Bundeshaushalts 2027 sollen disponible, also nicht fest gebundene Finanzhilfen anteilig gekürzt werden. [14] Der Bundestag will den Haushalt am 27.11.2026 beschließen. [15]
Was dafür spricht
- Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel: „Bund und Länder müssen ihre Förderprogramme zeitlich befristen, besser aufeinander abstimmen, regelmäßig prüfen und bei mangelhafter Wirkung streichen!“ [16]
- Der Bundesrechnungshof empfiehlt dem Umweltministerium: Wer eine Förderrichtlinie ändert oder neu fasst, soll dem Beauftragten für den Haushalt im Ministerium vorher eine Evaluation und die begleitende Erfolgskontrolle des Programms vorlegen müssen. Erst dann soll dieser zustimmen. [10]
- Die Expertenkommission Forschung und Innovation forderte 2024, alle beauftragten Evaluationsstudien zu veröffentlichen und den Evaluierenden besseren Zugang zu Daten zu verschaffen. Fehlendes Wissen über die Wirkung erschwere es der Politik, aus Erfahrungen zu lernen. [11]
Was dagegen spricht
- Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, wandte sich 2024 gegen befristete Starthilfen: „Wir wollen wegkommen von den leidigen Anschubfinanzierungen über Förderprogramme, die die Kommunen dann nach ein paar Jahren mit einer begonnenen Aufgabe finanziell allein lassen.“ [17]
- Die Bundesregierung schrieb 2025, die Erfolgskontrolle müsse selbst angemessen und wirtschaftlich sein. [3] Das Bundesbauministerium plant kein einheitliches Evaluationssystem für alle seine Förderprogramme. Unterschiedliche Ziele erforderten auch künftig zumindest teilweise eigene Evaluationen. [8]
- Die Grünen-Fraktion im Bundestag schrieb im April 2026 zu geplanten Streichungen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“: „Zivilgesellschaftliche Strukturen sind auf verlässliche und stabile Förderung angewiesen.“ [18]
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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.
BELEGE
Quellen
[1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 23 Bundeshaushaltsordnung: ZuwendungenAmtliche Quelle
[2] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 7 Bundeshaushaltsordnung: Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, Kosten- und LeistungsrechnungAmtliche Quelle
[3] Bundesregierung, 06.02.2025
Antwort „Effizienz und Strukturen von Förderprogrammen in Deutschland“, Bundestagsdrucksache 20/14909Amtliche Quelle
[4] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 6 Haushaltsgrundsätzegesetz: Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, Kosten- und LeistungsrechnungAmtliche Quelle
[5] Europäische Union, 23.09.2024
Verordnung (EU, Euratom) 2024/2509 über die Haushaltsordnung für den Gesamthaushaltsplan der Union, Artikel 34Amtliche Quelle
[6] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Grundgesetz, Artikel 104bAmtliche Quelle
[7] Bundesministerium der Finanzen, 15.09.2025
30. Subventionsbericht des Bundes 2023 bis 2026Amtliche Quelle
[8] Bundesregierung, 08.09.2026
Antwort „Evaluation und Erfolgskontrolle der Förderprogramme des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen“, Bundestagsdrucksache 21/8001Amtliche Quelle
[9] Bundesministerium der Finanzen, 19.06.2025
Abschlussbericht 12. Spending Review „Umsetzung von Empfehlungen zur Ziel- und Wirkungsorientierung im Bundeshaushalt“Amtliche Quelle
[10] Bundesrechnungshof, 02.06.2026
Abschließende Mitteilung an das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Erlass von Förderrichtlinien in den Jahren 2016 bis 2021, Einzelplan 16, Teil I: Haushaltsrechtliche Voraussetzungen und AbstimmungsprozesseAmtliche Quelle
[11] Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), 28.02.2024
Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2024, Kurzfassung, Kapitel A 2: Kausalanalyse von MaßnahmeneffektenInstitut oder Körperschaft
[12] CDU, CSU und SPD, 2025
Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. LegislaturperiodeInstitut oder Körperschaft
[13] Bundesministerium der Finanzen, 06.07.2026
Zeitreise Spending ReviewsAmtliche Quelle
[14] Bundesministerium der Finanzen, 06.07.2026
Pressemitteilung 12/2026: Bundeshaushalt 2027: Für ein starkes und krisenfestes DeutschlandAmtliche Quelle
[15] Deutscher Bundestag
Der Weg zum Bundeshaushalt 2027 vom Entwurf zum BeschlussAmtliche Quelle
[16] Bund der Steuerzahler Deutschland, 01.10.2026
Das neue Schwarzbuch ist da!Verband
[17] Deutscher Landkreistag, 10.01.2024
Bund braucht klareren Kompass bei StaatsausgabenVerband
[18] Deutscher Bundestag, 21.04.2026
Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Evaluation und Überprüfung des Bundesprogramms „Demokratie leben!““, Drucksache 21/5471Amtliche Quelle