ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 93
Soll Deutschland gemeinsame europäische Verteidigungsstrukturen stärker unterstützen?
Die EU baut eigene Verteidigungsstrukturen auf, von gemeinsamen Rüstungsprojekten bis zu einem Kreditprogramm über 150 Milliarden Euro. Deutschland hat daraus keine Kredite beantragt. 2021 kauften die EU-Staaten nur etwa 18 Prozent ihrer Rüstungsgüter gemeinsam.
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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 19: Europäische Union und europäische Zusammenarbeit · Ergebnisse ansehen
VOR DER STIMME
Die Fakten
Die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU stützt sich auf zivile und militärische Fähigkeiten der Mitgliedstaaten. Beschlüsse dazu fasst der Rat der EU einstimmig. Eine gemeinsame Verteidigung gäbe es erst, wenn der Europäische Rat sie einstimmig beschließt und die Staaten dies nach ihrem Verfassungsrecht annehmen. Ausgaben für militärische Maßnahmen dürfen grundsätzlich nicht aus dem EU-Haushalt bezahlt werden. [1] Wird ein EU-Staat auf seinem Gebiet bewaffnet angegriffen, schulden ihm die anderen „alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung“. Für NATO-Mitglieder bleibt die NATO das Fundament ihrer gemeinsamen Verteidigung. [1] Diese Beistandsklausel hat bisher nur Frankreich genutzt, nach den Terroranschlägen im November 2015. [2] Im April 2026 berieten die Staats- und Regierungschefs über ihre praktische Anwendung. [3] Bewaffnete Einsätze der Bundeswehr außerhalb Deutschlands brauchen die Zustimmung des Bundestages. [4] Nach dem Bundesverfassungsgericht darf diese Entscheidung nicht auf die EU übergehen. Der Parlamentsvorbehalt sei „integrationsfest“. [5]
Seit Mai 2025 ist die schnelle Eingreiftruppe der EU mit bis zu 5.000 Soldaten einsatzbereit. [6] In der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit, kurz PESCO, entwickeln Staaten seit 2017 gemeinsam militärische Fähigkeiten. 26 der 27 EU-Staaten machen mit. Von 83 Projekten laufen noch 74. [2] Der Europäische Verteidigungsfonds fördert gemeinsame Forschung und Entwicklung von Rüstungsgütern, von 2021 bis 2027 mit knapp 7,3 Milliarden Euro. [7] Militärische Hilfe für Partnerländer bezahlen die Staaten über die Europäische Friedensfazilität außerhalb des EU-Haushalts. Für 2021 bis 2027 umfasst sie über 17 Milliarden Euro, davon 11,1 Milliarden Euro für die Ukraine. [8] Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 sieht für die Fazilität 240 Millionen Euro im Titel zur Ertüchtigung von Partnerstaaten vor. Rund 648,6 Millionen Euro für den Ukraine-Teil stehen im Titel zur Ertüchtigung völkerrechtswidrig angegriffener Staaten. [9] Beschlossen ist der Haushalt noch nicht. Der Bundestag soll am 27.11.2026 abstimmen. [21]
2021 beschafften die EU-Staaten nur etwa 18 Prozent ihrer Rüstungsgüter gemeinsam. Ihre Verteidigungsminister hatten 2007 einen Richtwert von 35 Prozent vereinbart. Seit 2022 fehlen dazu vollständige Daten. Vom russischen Großangriff auf die Ukraine bis Juni 2023 kamen 78 Prozent ihrer Rüstungskäufe von außerhalb der EU, 63 Prozent allein aus den USA. [2] Nach dem Weißbuch „Readiness 2030“ von EU-Kommission und Außenbeauftragter soll Europa bis 2030 verteidigungsbereit sein. Der zugehörige Plan der Kommission erwartet in den kommenden Jahren bis zu 800 Milliarden Euro zusätzlicher Verteidigungsausgaben. Bis zu 650 Milliarden Euro davon sollen die Staaten aufbringen und dafür von den EU-Schuldenregeln abweichen dürfen. [10] 150 Milliarden Euro stellt die EU über das Kreditprogramm SAFE bereit. Sie leiht sich das Geld am Kapitalmarkt. Mit den Krediten kaufen Staaten in der Regel gemeinsam Rüstungsgüter. 19 Staaten beantragten Kredite, Deutschland nicht. Auch Staaten ohne Kredit wollen sich laut Kommission an gemeinsamen Käufen beteiligen. [11] Bis Mitte April 2026 gab der Rat die Kredite für alle Antragsteller außer Ungarn frei. [2] Das Europäische Parlament klagt vor dem EU-Gerichtshof gegen die SAFE-Verordnung. Es hält die Rechtsgrundlage für falsch. [12]
Seit dem 30.12.2025 gilt das Programm für die europäische Verteidigungsindustrie, kurz EDIP. Es stellt bis Ende 2027 1,2 Milliarden Euro bereit, dazu 300 Millionen Euro für die Rüstungsindustrie der Ukraine. [13] Am 28.09.2026 legte der Rat die ersten fünf europäischen Verteidigungsprojekte von gemeinsamem Interesse fest. Das sind große Industrievorhaben, unter anderem zu Drohnenabwehr, Luft- und Raketenabwehr und zur Sicherheit der EU-Ostflanke. [14] Für den EU-Haushalt 2028 bis 2034 schlägt die Kommission rund 125 Milliarden Euro für Sicherheit, Verteidigungsindustrie und Raumfahrt vor. Beschlossen ist das noch nicht. [2]
Im Koalitionsvertrag wollen CDU, CSU und SPD die Grundlagenentwicklung des Luftkampfsystems FCAS und des Landkampfsystems MGCS „zügig gemeinsam fortsetzen“. [15] Beim Luftkampfsystem läuft laut Bundesregierung das Programm für das Waffensystem der nächsten Generation vertraglich aus. Über ein vorzeitiges Ende des Teils für das Kampfflugzeug wird verhandelt. Beim Landkampfsystem ist Frankreich weiter Partner. Am 17.07.2026 bekräftigten beide Staaten, daran weiterarbeiten zu wollen. [16]
Was dafür spricht
- CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag: „Wir setzen uns für eine Europäische Verteidigungsunion zur Stärkung des europäischen Pfeilers in der NATO ein.“ Sie wollen einen echten Binnenmarkt für Verteidigungsgüter und enge Zusammenarbeit bei Planung, Entwicklung und Beschaffung. [15]
- Die Grünen wollen deutsche Rüstungsanstrengungen europäisch einbinden: „Deutschland kann nur dann glaubhaft für europäische Handlungsfähigkeit eintreten, wenn es Verteidigung europäisch und nicht national denkt.“ [17]
- Die Friedensforschungsinstitute BICC, IFSH, INEF und PRIF empfehlen: „Die Rüstungsbeschaffung muss europäisiert, Verteidigungsstrategien müssen aktualisiert werden.“ Zugleich fordern sie Rüstungskontrolle und diplomatische Schritte, um Risiken zu verringern. [18]
Was dagegen spricht
- Die AfD lehnt es ab, die Außen- und Sicherheitspolitik und den Auswärtigen Dienst der EU zu vergemeinschaften. Das hieße, die Entscheidungen gingen von den Regierungen auf die EU-Organe über. Die Partei will eine eigenständige Rüstungsindustrie in Deutschland ausbauen. Die NATO bleibt für sie zentral, bis ein unabhängiges europäisches Militärbündnis aufgebaut ist. [19]
- Die Linke: „Wir stellen uns der weiteren Aufrüstung der EU und der Militarisierung der europäischen Grenzen entgegen.“ Eine Pflicht zur Aufrüstung, die sie im Vertrag von Lissabon sieht, lehnt sie ab. [20]
- Das Bündnis Sahra Wagenknecht will, dass die EU Frieden vermittelt und nicht Kriegspartei wird. EU-Milliarden für die Rüstungsindustrie hält es für Steuergeld, das für wichtigere Aufgaben fehlt. Es will keine weitere Macht bei der EU-Kommission, sondern Zuständigkeiten an die Mitgliedstaaten zurückgeben. [22]
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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.
BELEGE
Quellen
[1] Europäische Union, 07.06.2016
Vertrag über die Europäische Union (konsolidierte Fassung), Art. 41 und 42Amtliche Quelle
[2] Europäischer Rechnungshof, 03.09.2026
Analyse 01/2026: Die Verteidigungspolitik der EU im FokusAmtliche Quelle
[3] Europäischer Rat, 24.04.2026
Informal meeting of heads of state or government, 23-24 April 2026 (Abschnitt „Mutual defence clause“)Amtliche Quelle
[4] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Parlamentsbeteiligungsgesetz, § 1Amtliche Quelle
[5] Bundesverfassungsgericht, 30.06.2009
Urteil des Zweiten Senats vom 30.06.2009, 2 BvE 2/08 u. a. (Vertrag von Lissabon), Rn. 254 f.Amtliche Quelle
[6] Europäischer Auswärtiger Dienst, 20.05.2025
Common Security and Defence Policy: EU Rapid Deployment Capacity becomes operationalAmtliche Quelle
[7] Europäische Kommission
European Defence Fund (EDF)Amtliche Quelle
[8] Rat der Europäischen Union
European Peace FacilityAmtliche Quelle
[9] Deutscher Bundestag, 24.08.2026
Haushalt 2027: Etat des Auswärtigen Amts sinkt leicht (hib 657/2026)Amtliche Quelle
[10] Europäische Kommission, 19.03.2025
White Paper for European Defence – Readiness 2030 und ReArm Europe PlanAmtliche Quelle
[11] Europäische Kommission, 09.09.2025
Communication to the College on the notification to requesting Member States of the allocation of the loan amounts pursuant to Council Regulation 2025/1106, C(2025) 6300 finalAmtliche Quelle
[12] Rat der Europäischen Union, Juristischer Dienst, 06.10.2025
Information Note: C-560/25 – Action for annulment – Security Action for Europe (SAFE), Dok. 13591/25Amtliche Quelle
[13] Europäische Union, 16.12.2025
Verordnung (EU) 2025/2643 zur Einrichtung des Programms für die europäische Verteidigungsindustrie (EDIP-Verordnung), Art. 3 und 86Amtliche Quelle
[14] Europäische Kommission
EDIP | Forging Europe's Defence (Abschnitt „European Defence Projects of Common Interest“)Amtliche Quelle
[15] CDU, CSU und SPD, 05.05.2025
Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode, Z. 4177 f. und 4398 bis 4401Institut oder Körperschaft
[16] Bundesregierung, 07.09.2026
Antwort „Perspektiven und Zukunft des Future Combat Air System nach Beendigung des Teilprojekts ‚New Generation Fighter‘“, Drucksache 21/7887Amtliche Quelle
[17] Deutscher Bundestag, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, 22.09.2026
Kleine Anfrage „Europäische Verteidigungsfähigkeit und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit der Europäischen Union“, Drucksache 21/8094Amtliche Quelle
[18] BICC, IFSH, INEF und PRIF, 2025
Friedensgutachten 2025: Frieden retten!, Stellungnahme, Empfehlungen 1 und 3, S. 4Institut oder Körperschaft
[19] AfD, Januar 2025
Zeit für Deutschland: Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025, S. 86 bis 88Institut oder Körperschaft
[20] Die Linke, 2025
Alle wollen regieren. Wir wollen verändern. Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025, S. 24Institut oder Körperschaft
[21] Deutscher Bundestag, 20.08.2026
Der Weg zum Bundeshaushalt 2027 vom Entwurf zum BeschlussAmtliche Quelle
[22] Bündnis Sahra Wagenknecht, 2025
Unser Land verdient mehr! Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2025, S. 8Institut oder Körperschaft