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ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 88

Soll die Tierhaltung strengeren gesetzlichen Anforderungen unterliegen, auch wenn dadurch Lebensmittelpreise steigen?

Nach Berechnungen des Thünen-Instituts kostet die Erzeugung in höheren Tierwohlstufen meist rund 10 bis 16 Prozent mehr. Eine amtliche Schätzung für die Ladenpreise gibt es nicht. Die EU-Kommission will bis Ende 2026 vorschlagen, Käfige für Legehennen auslaufen zu lassen. Ob Verbraucher, Staat oder Landwirte die Mehrkosten tragen, ist umstritten.

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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 18: Landwirtschaft, Ernährung und Naturschutz · Ergebnisse ansehen

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Die Fakten

Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, auch die Tiere zu schützen. [1] Wer ein Tier hält, muss es nach dem Tierschutzgesetz angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. [2] Die EU legt für Nutztiere Mindestnormen fest. Strengere nationale Vorschriften sind erlaubt. [3] Deutschland hat die herkömmliche Käfighaltung von Legehennen 2010 beendet, zwei Jahre vor der EU-Pflicht. Seit 2026 ist auch die Kleingruppenhaltung in ausgestalteten Käfigen verboten. [4] Im Mai 2026 hielten 14.700 Betriebe in Deutschland rund 21,0 Millionen Schweine. Die Zahl dieser Betriebe ist in zehn Jahren um 40 Prozent gesunken. [5]

2024 wollte die damalige Bundesregierung das Tierschutzgesetz verschärfen. Tiere sollten grundsätzlich nicht mehr angebunden gehalten werden. Für Rinder waren zehn Jahre Übergang vorgesehen, danach eine Ausnahme für kleine Betriebe mit Weidegang. Die einmaligen Kosten der Wirtschaft schätzte die Regierung auf rund 899 Millionen Euro, die laufenden auf rund 106 Millionen Euro im Jahr. Auswirkungen auf die Verbraucherpreise erwartete sie nicht. [6] Mit dem Ende der Wahlperiode verfiel der Entwurf. [7] CDU, CSU und SPD wollen laut Koalitionsvertrag Genehmigungshürden beim Stallbau abschaffen und Mittel für tierwohlgerechte Ställe dauerhaft bereitstellen. Neu- und umgebaute Tierwohlställe sollen mindestens 20 Jahre Bestandsschutz erhalten, also auch bei neuen Vorschriften weiter genutzt werden dürfen. [8] Das Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung läuft aus. Investitionen konnten bis 31.08.2026 beantragt werden. [9]

Seit 2023 gibt es ein staatliches Tierhaltungskennzeichen mit fünf Stufen von „Stall“ bis „Bio“. Das Gesetz schreibt es nur für frisches Fleisch von Mastschweinen aus Deutschland vor. Die Pflicht sollte ab 01.08.2025 gelten. Nach zwei Verschiebungen greift sie ab 01.01.2027. Die Koalition begründete das zuletzt mit einer geplanten Reform. [10][11] Nach dem Entwurf des Agrarministeriums soll das Kennzeichen auch für Schweinefleisch aus dem Ausland, für bestimmte verarbeitete Lebensmittel und in Kantinen und Gaststätten Pflicht werden. Unternehmen sollen Fleisch auch mit einer niedrigeren Haltungsform kennzeichnen dürfen, als die Tiere tatsächlich hatten. Die EU-Kommission und sieben Mitgliedstaaten haben im EU-Prüfverfahren förmliche Einwände erhoben. Vor dem 12.11.2026 darf Deutschland die Regeln deshalb nicht beschließen. [12]

In ihrer Strategie für die Nutztierhaltung vom 07.07.2026 kündigt die EU-Kommission an, bis Ende 2026 neue Tierschutzregeln für Legehennen und Masthühner vorzuschlagen. Käfige sollen auslaufen, das systematische Töten männlicher Küken soll enden. Für eingeführte Ware sollen gleichwertige Anforderungen gelten. Bis zum zweiten Quartal 2027 soll ein Vorschlag für Schweine folgen, auch zum Wechsel von Einzelständen für Sauen zu Buchten. [13] In der EU leben nach Angaben des Agrarministeriums noch rund 38 Prozent der Legehennen in ausgestalteten Käfigen. [4] Studien im Auftrag von Bauernverbänden, die die Kommission als Beispiel nennt, schätzen die Investitionen für den Ausstieg aus Käfigen EU-weit auf rund 6,7 Milliarden Euro bei Schweinen und 2,6 Milliarden Euro bei Legehennen. Auf 15 Jahre abgeschrieben, sind das Investitionskosten von etwa 2 Cent je Kilogramm Schweinefleisch und 0,17 Cent je Ei. [13]

Eine amtliche Schätzung, wie stark Lebensmittelpreise bei deutlich strengeren Haltungsvorgaben steigen würden, gibt es nicht. Die vom Agrarministerium eingesetzte Borchert-Kommission empfahl 2020, die gesetzlichen Standards erst nach langen freiwilligen Übergangszeiten anzuheben. Gehen sie deutlich über das EU-Niveau hinaus, sollten staatliche Prämien den Wettbewerbsnachteil ausgleichen. Den Förderbedarf schätzte sie für 2040 auf jährlich etwa 3,6 Milliarden Euro. So viel brächte nach ihrer Rechnung eine Abgabe beim Kauf tierischer Produkte ein, zum Beispiel 40 Cent je Kilogramm Fleisch. [15] Nach Berechnungen des Thünen-Instituts, eines Forschungsinstituts des Bundes, kostet die Erzeugung in den empfohlenen höheren Tierwohlstufen meist rund 10 bis 16 Prozent mehr, bei Zuchtsauen rund 25 bis 30 Prozent, bei Masthühnern mit Auslauf 44 Prozent. Das sind Kosten der Betriebe, keine Ladenpreise. Gleicht der Staat sie über Prämien und Investitionshilfen aus, steigen die Marktpreise nach Einschätzung des Instituts nicht. [14] Laut EU-Kommission führen Mehrkosten, die Landwirte und die übrige Lebensmittelkette nicht auffangen können, am Ende zu höheren Lebensmittelpreisen. [13]

Was dafür spricht

  • Die Linken-Abgeordnete Ina Latendorf kritisierte im Bundestag, ein ausgewachsenes Schwein habe in der Haltungsform „Stall+Platz“ 1,1 Quadratmeter Platz: „Manche Haltungsbedingungen gehören schlicht verboten und nicht gekennzeichnet.“ [16]
  • Der Deutsche Tierschutzbund verlangt unter anderem ein Verbot der Anbindehaltung von Rindern. Sein Präsident Thomas Schröder: „Das Tierschutzgesetz weist erhebliche Lücken auf. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese endlich zu schließen“. [17]
  • Der Verbraucherzentrale Bundesverband: „Die Standards für die Tierhaltung müssen insgesamt und verbindlich angehoben werden.“ Allein über höhere Verbraucherpreise lasse sich der Umbau der Tierhaltung nicht finanzieren. Er schlägt eine Tierwohlabgabe oder eine Änderung der Mehrwertsteuer vor. [18]

Was dagegen spricht

  • Der Deutsche Bauernverband lehnte die Novelle von 2024 ab: „Mit Verboten und Verschärfungen des Strafmaßes im nationalen Alleingang kann man Tierschutz nicht voranbringen. Das führt vielmehr zu einer Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland.“ [19]
  • Andreas Palzer vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte sagte in einer Anhörung des Bundestages, bessere Haltungsbedingungen kosteten in der Regel mehr. Sei die Finanzierung nicht gesichert, wandere die Produktion ins billigere Ausland mit geringeren Tierschutzanforderungen ab. [20]
  • Der AfD-Abgeordnete Danny Meiners: „Wirklicher Tierschutz entsteht nicht durch Papierkram, sondern durch faire Wettbewerbsbedingungen.“ Deutsche Landwirte produzierten schon heute unter höheren Standards als viele Importeure. [16]

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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.

BELEGE


Quellen

  1. [1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 20a

    Amtliche Quelle

  2. [2] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    Tierschutzgesetz, § 2

    Amtliche Quelle

  3. [3] Europäische Union, 20.07.1998

    Richtlinie 98/58/EG des Rates über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere, Art. 1 und 10

    Amtliche Quelle

  4. [4] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, 17.08.2026

    Tierschutz in der Nutztierhaltung

    Amtliche Quelle

  5. [5] Statistisches Bundesamt, 26.06.2026

    Zahl der schweinehaltenden Betriebe sinkt weiter: -3,6 % im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahr, Pressemitteilung Nr. 221

    Datenportal

  6. [6] Bundesregierung, 04.09.2024

    Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes und des Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetzes, Drucksache 20/12719

    Amtliche Quelle

  7. [7] Beauftragte der Bundesregierung für den Tierschutz, 2025

    Zweiter Tätigkeitsbericht, Berichtszeitraum 12. Juni 2024 bis 12. Juni 2025

    Amtliche Quelle

  8. [8] CDU, CSU und SPD, 2025

    Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode, Z. 1300 bis 1311

    Institut oder Körperschaft

  9. [9] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, 12.09.2025

    Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der landwirtschaftlichen Tierhaltung (BUT)

    Amtliche Quelle

  10. [10] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, §§ 3, 4 und 40, Anlagen 1 und 2

    Amtliche Quelle

  11. [11] Deutscher Bundestag, 26.06.2025

    Novelle des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes beschlossen (Textarchiv)

    Amtliche Quelle

  12. [12] Europäische Kommission (TRIS), 11.05.2026

    Notifizierung 2026/0234/DE: Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes

    Amtliche Quelle

  13. [13] Europäische Kommission, 07.07.2026

    Communication: EU strategy on livestock, COM(2026) 576

    Amtliche Quelle

  14. [14] Thünen-Institut, 30.04.2021

    Politikfolgenabschätzung zu den Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung, Thünen Working Paper 173

    Institut oder Körperschaft

  15. [15] Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung (Borchert-Kommission), 11.02.2020

    Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung

    Institut oder Körperschaft

  16. [16] Deutscher Bundestag, 15.01.2026

    Plenarprotokoll 21/53

    Amtliche Quelle

  17. [17] Deutscher Tierschutzbund, 08.07.2026

    Erste Lesung zum Tierschutzgesetz im Bundestag: Deutscher Tierschutzbund fordert Nachbesserungen

    Verband

  18. [18] Verbraucherzentrale Bundesverband, 05.09.2024

    Weg zu einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung (Positionspapier)

    Verband

  19. [19] Deutscher Bauernverband, 10.10.2024

    Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung am 14.10.2024 zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes, Ausschussdrucksache 20(10)165-D

    Verband

  20. [20] Deutscher Bundestag, 13.04.2026

    Sachverständige sind sich uneinig über den Weg zu mehr Tierschutz (Anhörung zu Drucksache 21/139)

    Amtliche Quelle