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ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 86

Sollen landwirtschaftliche Betriebe stärker für Umwelt- und Tierschutzleistungen finanziell unterstützt werden?

Für Öko-Regelungen, also freiwillige Umweltleistungen der Betriebe, sind in Deutschland von 2023 bis 2027 rund 4,9 Milliarden Euro EU-Geld eingeplant. Fast ebenso viel ist für Umwelt- und Klimaziele in der Förderung ländlicher Räume vorgesehen. Wie die Agrarförderung ab 2028 aussieht, verhandelt die EU gerade.

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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 18: Landwirtschaft, Ernährung und Naturschutz · Ergebnisse ansehen

VOR DER STIMME


Die Fakten

Die Agrarförderung regelt in erster Linie die EU mit ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik, kurz GAP. Aus der ersten Säule kommen vor allem Direktzahlungen je Hektar, die allein die EU bezahlt. Die zweite Säule fördert ländliche Räume, Deutschland zahlt dort mit. Wer die volle Einkommensstützung erhalten will, muss verbindliche Regeln für Klima- und Umweltschutz einhalten. [1] Wer mehr tut, kann freiwillige Öko-Regelungen nutzen, etwa Blühstreifen, extensives Grünland oder Ackerbau ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. [2] Für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen der zweiten Säule sind allein die Länder zuständig. [3]

Für 2023 bis 2027 erhält Deutschland 30,7 Milliarden Euro aus dem EU-Agrarhaushalt, darunter 22,2 Milliarden Euro für Direktzahlungen und 8,2 Milliarden Euro für ländliche Räume. Dazu kommen 3,6 Milliarden Euro nationale Mittel. Von den EU-Mitteln sind 4,9 Milliarden Euro für Öko-Regelungen und 4,9 Milliarden Euro für Umwelt- und Klimaziele in der zweiten Säule eingeplant. Für tiergerechtere Haltung, etwa mehr Weidegang, stehen 339 Millionen Euro bereit. [1] Deutschland schichtet einen wachsenden Teil der Direktzahlungen in die zweite Säule um, von 10 Prozent der Mittel für 2023 bis 15 Prozent der Mittel für 2026. [2] Die Öko-Regelungen wurden anfangs weniger genutzt als erwartet. Zwei weitere Öko-Regelungen, eine davon für Milchkühe auf der Weide, sollen nach geltendem Recht 2027 starten. [3] Die Bundesregierung will darauf verzichten, um Bürokratie zu vermeiden. Ihr Gesetzentwurf liegt seit dem 07.10.2026 dem Bundestag vor. [4]

2024 startete ein Bundesprogramm, das tiergerechtere Schweineställe mit bis zu 60 Prozent der Kosten förderte. Das Ministerium ließ es früher als geplant auslaufen, weil es nicht die erhoffte Wirkung entfaltet habe. Zuschüsse für laufende Mehrkosten enden 2028. [5] Anträge auf Förderung von Stallbauten waren bis zum 31.08.2026 möglich. Bis zum 29.07.2026 gingen seit 2024 insgesamt 654 ein. Nach Angaben der Bundesregierung lebt die Förderung solcher Ställe über die Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zur Agrarstruktur zum 01.09.2026 wieder auf. Die Länder setzen sie um, der Bund trägt 60 Prozent der Ausgaben. [6]

Ab 2028 soll die GAP nach dem Vorschlag der EU-Kommission vom 16.07.2025 mit anderen Förderbereichen in einen gemeinsamen Fonds übergehen, die zwei Säulen entfallen. Für die Einkommensstützung sollen EU-weit mindestens 293,7 Milliarden Euro in jeweiligen Preisen reserviert werden. Daraus sollen auch Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen bezahlt werden, die Mitgliedstaaten müssen sie zu mindestens 30 Prozent mitfinanzieren. [7] Öko-Regelungen und Agrarumweltmaßnahmen sollen zu einer Maßnahme verschmelzen, einen festen Anteil am Budget müssen sie nicht erhalten. [8] Der Verhandlungsentwurf der irischen Ratspräsidentschaft vom 10.10.2026 kürzt den Gesamthaushalt gegenüber dem Kommissionsvorschlag um 8 Prozent. Den Mindestbetrag für die Einkommensstützung lässt er unverändert, bindend ist der Entwurf für keinen Staat. [9] Die Staats- und Regierungschefs beraten am 15. und 16.10.2026. Beim Treffen der Agrarminister am 26. und 27.10.2026 strebt die Präsidentschaft eine Teilposition des Rates zur neuen GAP-Verordnung an. [10] Das Europäische Parlament verlangte am 28.04.2026 einen eigenen, zweckgebundenen Agrarhaushalt von 433,01 Milliarden Euro in jeweiligen Preisen, das sind 385,12 Milliarden Euro in Preisen von 2025. [11]

In der ersten Säule wollen CDU, CSU und SPD laut Koalitionsvertrag „die Einkommensanreize für die Erbringung von Klima-, Umwelt- und Tierwohlleistungen deutlich steigern“. Mittel für tiergerechte Ställe wollen sie „dauerhaft“ bereitstellen. [12] Die Grünen verlangen, pauschale Flächenprämien durch eine „vollständige Honorierung von Umwelt-, Klima- und Tierschutzleistungen“ zu ersetzen. [13] Die AfD lehnt die Gemeinsame Agrarpolitik ab. [14] Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium empfahl 2018, die Direktzahlungen innerhalb von etwa zehn Jahren vollständig abzubauen und Umwelt-, Klima- und Tierwohlleistungen stärker zu honorieren. [15]

Was dafür spricht

  • Die Zukunftskommission Landwirtschaft mit Vertretern aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Verbrauchern, Umwelt- und Tierschutz sowie Wissenschaft schrieb 2024: „Die ZKL ist entschieden der Auffassung, dass die bisherige Finanzierung der Agrar-, Umwelt, Klima- und Tierschutzpolitik nicht ausreicht.“ [16][17]
  • Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, kritisierte das Ende des Bundesprogramms für Stallumbauten: „Ohne finanzielle Unterstützung und rechtliche Erleichterungen kann sich die Weiterentwicklung der Tierhaltung nur im Rahmen des am Markt Möglichen orientieren.“ [18]
  • Der Naturschutzbund NABU will die GAP finanziell stark ausgestattet lassen, ihre Mittel aber vollständig in Zahlungen für gesellschaftlich gewünschte Leistungen überführen. Öko-Regelungen, Agrarumweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz sollen „die pauschalen Flächenprämien bis 2034 vollständig ersetzen“. [19]

Was dagegen spricht

  • Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) ließ das Bundesprogramm für tiergerechte Ställe vorzeitig auslaufen: „Placebo-Programme helfen unseren Landwirtinnen und Landwirten nicht weiter.“ In Zeiten knapper Kassen bündle sein Ministerium die Mittel und setze auf die Förderung gemeinsam mit den Ländern. Dort soll der Bau tiergerechter Schweineställe weiter gefördert werden. [5]
  • Der Bundesrat begrüßt den Verzicht auf zwei zusätzliche Öko-Regelungen für 2027, darunter die für Weidehaltung von Milchkühen. Mehrere Länder förderten Grünland und Weidehaltung bereits selbst, eine zusätzliche bundesweite Regelung hätte zu Überschneidungen geführt. Die bestehenden Öko-Regelungen würden stärker genutzt, weitere Änderungen in der laufenden Förderperiode führten „nur zu noch mehr Komplexität und Bürokratie“. [4]
  • Die FDP will statt „ineffektiver Subventionen“ auf Produktivität und Innovation setzen und Landwirte so „unabhängig von staatlichen Zuwendungen“ machen. In der nächsten Förderperiode der GAP sollen nach ihrem Wahlprogramm Produktivität und Technologien stärker gefördert werden. Knappe Haushaltsmittel müssten „prioritär zur nachhaltigen Intensivierung eingesetzt werden“. [20]

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BELEGE


Quellen

  1. [1] Europäische Kommission, Dezember 2025

    Auf einen Blick: Der deutsche GAP-Strategieplan (aktualisierte Fassung)

    Amtliche Quelle

  2. [2] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    GAP-Direktzahlungen-Gesetz (GAPDZG), §§ 3 und 20

    Amtliche Quelle

  3. [3] Bundesregierung, 16.07.2025

    Antwort „Gemeinsame Agrarpolitik – Ausrichtung auf Gemeinwohlleistungen“, Drucksache 21/910

    Amtliche Quelle

  4. [4] Bundesregierung, 07.10.2026

    Entwurf eines Gesetzes für Bürokratierückbau im Bereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie in weiteren Bereichen, mit Stellungnahme des Bundesrates, Drucksache 21/8408

    Amtliche Quelle

  5. [5] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, 11.09.2025

    Bundesprogramm für den Umbau der Tierhaltung läuft aus, Pressemitteilung Nr. 80/2025

    Amtliche Quelle

  6. [6] Bundesregierung, 04.08.2026

    Antwort „Risiken für landwirtschaftliche Betriebe durch geänderte Tierwohlverträge im Lebensmitteleinzelhandel“, Drucksache 21/7479

    Amtliche Quelle

  7. [7] Europäischer Rechnungshof, 09.02.2026

    Opinion 05/2026 concerning the proposals for a regulation establishing the conditions for the implementation of the Union support to the Common Agriculture Policy for the period from 2028 to 2034 (COM(2025) 553 and 560)

    Amtliche Quelle

  8. [8] Europäisches Parlament, 20.09.2026

    Legislative Train: Common agricultural policy 2028-2034 (Stand 20.09.2026)

    Amtliche Quelle

  9. [9] Rat der Europäischen Union, 10.10.2026

    Multiannual Financial Framework (MFF) 2028-2034 – Negotiating Box, Dokument 13922/26

    Amtliche Quelle

  10. [10] Rat der Europäischen Union, 10.09.2026

    Regulation establishing the conditions for the implementation of Union support under the CAP – Policy debate, Dokument 12978/26

    Amtliche Quelle

  11. [11] Europäisches Parlament, Legislative Observatory, 28.04.2026

    Interim report on the proposal for the multiannual financial framework for 2028-2034, Verfahren 2025/0571R(APP), Zusammenfassung der Entschließung

    Amtliche Quelle

  12. [12] CDU, CSU und SPD, 05.05.2025

    Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode (S. 40, Z. 1307 f., und S. 42, Z. 1371 bis 1377)

    Institut oder Körperschaft

  13. [13] Deutscher Bundestag, 17.03.2026

    Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034: „Höfe stärken, Klima schützen, Artenvielfalt bewahren und Europa zusammenführen“, Drucksache 21/4763

    Amtliche Quelle

  14. [14] AfD, 2025

    Zeit für Deutschland. Programm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, S. 73

    Institut oder Körperschaft

  15. [15] Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim BMEL, 07.06.2018

    Für eine gemeinwohlorientierte Gemeinsame Agrarpolitik der EU nach 2020: Grundsatzfragen und Empfehlungen (Berichte über Landwirtschaft, Sonderheft 225)

    Institut oder Körperschaft

  16. [16] Zukunftskommission Landwirtschaft, November 2024

    Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in schwierigen Zeiten – Strategische Leitlinien und Empfehlungen, S. 5

    Institut oder Körperschaft

  17. [17] Bundesregierung, 06.07.2021

    Zukunftskommission Landwirtschaft: Aufgabe gleiche „Quadratur des Kreises“

    Amtliche Quelle

  18. [18] Deutscher Bauernverband, 11.09.2025

    Bauernverband kritisiert die Beendigung des Bundesprogramms für den Umbau der Tierhaltung

    Verband

  19. [19] NABU, Juli 2026

    Faktencheck zur geplanten GAP-Reform 2028: Ernährungssicherheit gibt es auch ohne EU-Agrarsubventionen

    Verband

  20. [20] FDP, 2025

    Alles lässt sich ändern: Das Programm der Freien Demokraten zur Bundestagswahl 2025, S. 44

    Institut oder Körperschaft