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ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 79

Soll Deutschland bei seinen Klimazielen stärker auf europäische und internationale Regelungen statt auf zusätzliche nationale Vorgaben setzen?

Deutschland will laut Klimaschutzgesetz bis 2045 klimaneutral sein, fünf Jahre früher als die EU. Für die ganze EU gilt seit April 2026 zusätzlich das Ziel, die Netto-Emissionen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Daneben hat Deutschland eigene Zwischenziele und einen eigenen CO2-Preis.

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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 16: Energie und Klimaschutz · Ergebnisse ansehen

VOR DER STIMME


Die Fakten

Das Bundes-Klimaschutzgesetz verlangt, dass Deutschland seine Treibhausgase bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent senkt, jeweils gegenüber 1990. Bis 2045 soll Deutschland netto treibhausgasneutral sein. Dann wird nur noch so viel ausgestoßen, wie wieder gebunden wird. Das Gesetz bestimmt: „Klimaschutzziele können erhöht, aber nicht abgesenkt werden.“ Seit einer Änderung im Juli 2024 rechnet es über alle Bereiche und mehrere Jahre zusammen. [1] Ziele für einzelne Bereiche wie Verkehr sind seitdem nur noch Richtwerte. [2] Zeigen die Projektionen nach Feststellung des Expertenrats für Klimafragen zwei Jahre in Folge, dass die Emissionen von 2021 bis 2030 das erlaubte Budget überschreiten, muss die Bundesregierung nachsteuern. [1] Das Bundesverfassungsgericht verlangte am 24.03.2021, die Minderung nach 2030 genauer zu regeln. Das Grundgesetz verpflichte den Staat, „eine Lösung des Klimaschutzproblems gerade auch auf überstaatlicher Ebene zu suchen“. Seiner Verantwortung könne er sich aber „nicht durch den Hinweis auf die Treibhausgasemissionen in anderen Staaten entziehen“. [3]

Die EU will laut Europäischem Klimagesetz bis 2050 klimaneutral sein. Bis 2030 sollen ihre Netto-Emissionen um mindestens 55 Prozent sinken, bis 2040 um 90 Prozent, jeweils gegenüber 1990. Das Ziel für 2040 gilt seit April 2026. [4] Ab 2036 sollen bis zu 5 Prozentpunkte davon über hochwertige Klimaschutz-Gutschriften aus Partnerländern außerhalb der EU erbracht werden können. Die Einzelheiten muss die EU noch regeln. [5] Die meisten Emissionen aus Energiewirtschaft und Industrie fallen unter den EU-Emissionshandel ETS 1. [6] Wer dort CO2 ausstößt, braucht dafür Zertifikate. Ihre Gesamtzahl begrenzt die EU für alle Mitgliedstaaten gemeinsam. [2] Für Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft und Abfall gibt die EU dagegen jedem Staat eigene Jahresziele bis 2030 vor, die sogenannte Lastenteilung. [5][6]

Gebäude und Straßenverkehr sollen in einen zweiten EU-Emissionshandel, den ETS 2. Mit dem Beschluss zum Ziel für 2040 wurde sein Start von 2027 auf 2028 verschoben. [5] Bis dahin gilt in Deutschland ein eigener CO2-Preis, etwa auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas. 2026 bildet er sich in Versteigerungen zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. [7][8] Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll dieser Rahmen auch 2027 gelten. Die Abstimmung im Bundestag ist für den 15.10.2026 angesetzt. [8] Am 17.07.2026 legte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Reform des EU-Emissionshandels vor. Das Europäische Parlament plant seine Abstimmung vorläufig für den 14.12.2026. [9]

2025 stieß Deutschland 649 Millionen Tonnen Treibhausgase aus. Gemeint sind CO2-Äquivalente: Alle Gase werden nach ihrer Klimawirkung in CO2 umgerechnet. Das sind 48,2 Prozent weniger als 1990 und 0,1 Prozent weniger als 2024. [10] Nach den amtlichen Projektionsdaten 2026 bliebe das nationale Budget für 2021 bis 2030 mit einem Puffer von 4,5 Millionen Tonnen knapp eingehalten. Der Expertenrat erwartet dagegen eine Überschreitung um etwa 60 bis 100 Millionen Tonnen. Er stuft sie als geringfügig ein, warnt aber vor einer wachsenden Lücke zu den Zielen ab 2030. Stellt er das 2027 erneut fest, muss die Bundesregierung zusätzliche Maßnahmen beschließen. Die Ziele für 2030, 2040 und 2045 würden schon nach den Projektionsdaten zunehmend deutlich verfehlt. Selbst wenn das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung vollständig umgesetzt würde, erreichte Deutschland nach Einschätzung des Expertenrats keines der gesetzlichen Ziele bis 2040. [11] Die Jahresziele der EU-Lastenteilung hat Deutschland 2024 erstmals überschritten. Bis 2030 ergäbe sich nach den Projektionsdaten eine Lücke von 255,1 Millionen Tonnen. [6] Um die Pflichten trotzdem zu erfüllen, kann der Bund Emissionszuweisungen anderer Staaten aus dem Bundeshaushalt ankaufen. [1]

Die Koalition aus CDU, CSU und SPD steht laut Koalitionsvertrag „zu den deutschen und europäischen Klimazielen“ und verfolgt Klimaneutralität bis 2045. Das EU-Ziel für 2040 unterstützt sie unter Bedingungen: Deutschland solle nicht mehr mindern müssen als nach seinem eigenen Ziel für 2040. Gutschriften aus Partnerländern außerhalb Europas sollten höchstens 3 Prozentpunkte ausmachen. [12] Die AfD lehnt „jede Politik und jede Steuer ab, die sich auf angeblichen Klimaschutz beruft“. Das gilt auch für den Green Deal der EU. Sie will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. [13]

Was dafür spricht

  • Die FDP will laut Kurzfassung ihres Wahlprogramms 2025 „das deutsche Ziel der Klimaneutralität bis 2045 durch das europäische Ziel der Klimaneutralität bis 2050 ersetzen“. Leitinstrument soll der europäische Emissionshandel sein. [14]
  • Die CDU beschloss auf ihrem Parteitag im Februar 2026, Klimaschutz könne „nur mit gemeinsamen globalen Anstrengungen gelingen“. Sie steht „zum Ziel eines klimaneutralen Europas bis 2050“ und setzt dabei auf marktbasierte Instrumente wie den Emissionshandel. [15] In der Regierung trägt sie zugleich das deutsche Ziel der Klimaneutralität bis 2045 mit. [12]
  • Der RWI-Ökonom Manuel Frondel schreibt, wirksame Klimapolitik sei „nur in internationaler Kooperation möglich“. Was Deutschland durch ein früheres Zieljahr einspare, würde wegen des EU-Emissionshandels nur innerhalb der EU verlagert. Sein Diskussionspapier hat die FDP gefördert. [2]
  • Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hält das deutsche Ziel 2045 für ehrgeiziger als die Ziele der meisten Industrie- und Schwellenländer. Das führe zu „deutlich höheren Kosten für die deutschen Unternehmen“. Sie will die Klimaziele international abstimmen und setzt auf den Emissionshandel als zentrales Instrument. [19]

Was dagegen spricht

  • Die SPD bekennt sich in ihrem Wahlprogramm 2025 „klar zu den Klimazielen für Deutschland und die EU“. Eine Abschwächung des Erreichten lehnt sie ab. Aus der Vorreiterrolle will sie einen Vorteil für den Standort Deutschland machen. [16]
  • Die Grünen schreiben in ihrem Regierungsprogramm 2025: „Wir halten deshalb an den rechtlich festgeschriebenen Zielen der Klimaneutralität 2045 und den verbindlichen Zwischenzielen fest.“ Ohne Nachsteuern in den einzelnen Bereichen drohten Deutschland teure Strafzahlungen und höhere CO2-Preise. [17]
  • Die Linke will Deutschland schon bis 2040 klimaneutral machen. Sie kritisiert, die Ampel-Koalition habe die Ziele für einzelne Bereiche im Klimaschutzgesetz abgeschafft und den Klimaschutz damit massiv geschwächt. Sie will diese Ziele wiederherstellen. [18]
  • Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) widerspricht der DIHK. Nach seinen Angaben haben sich mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammern an ihre Kammer gewandt. Sie lehnen es ab, nationale Klimaziele an Wettbewerber zu koppeln. [20]

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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.

BELEGE


Quellen

  1. [1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG), §§ 3, 4, 7 und 8

    Amtliche Quelle

  2. [2] RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Januar 2026

    Die Verschiebung des deutschen Ziels der Treibhausgasneutralität vom Jahr 2045 auf das Jahr 2050: Mögliche ökonomische und ökologische Effekte (RWI Materialien, Heft 172)

    Institut oder Körperschaft

  3. [3] Bundesverfassungsgericht, 29.04.2021

    Verfassungsbeschwerden gegen das Klimaschutzgesetz teilweise erfolgreich, Pressemitteilung Nr. 31/2021 zum Beschluss vom 24.03.2021, 1 BvR 2656/18 u. a.

    Amtliche Quelle

  4. [4] Europäische Kommission, Stand 14.10.2026

    European Climate Law

    Amtliche Quelle

  5. [5] Europäische Union, 11.03.2026

    Verordnung (EU) 2026/667 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. März 2026 zur Änderung der Verordnung (EU) 2021/1119 hinsichtlich der Festlegung eines Klimazwischenziels der Union für 2040 (ABl. L 2026/667 vom 18.03.2026)

    Amtliche Quelle

  6. [6] Expertenrat für Klimafragen, 18.05.2026

    Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgasemissionen für das Jahr 2025 und zu den Projektionsdaten 2026, Drucksache 21/6175

    Institut oder Körperschaft

  7. [7] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    § 10 Brennstoffemissionshandelsgesetz: Veräußerung von Emissionszertifikaten

    Amtliche Quelle

  8. [8] Deutscher Bundestag, Stand 14.10.2026

    CO2-Preis soll 2027 stabil gehalten werden (Gesetzentwurf Drucksache 21/7869)

    Amtliche Quelle

  9. [9] Europäisches Parlament, Legislative Observatory, Stand 14.10.2026

    Verfahren 2026/0212(COD): EU Emissions Trading System and market stability reserve: competitiveness and cost-effective decarbonisation

    Amtliche Quelle

  10. [10] Umweltbundesamt, Stand 02.07.2026

    Treibhausgas-Emissionen in Deutschland

    Datenportal

  11. [11] Expertenrat für Klimafragen, 18.05.2026

    Einhaltung des Emissionsbudgets bis 2030 nicht bestätigt: Expertenrat sieht weiterhin Handlungsbedarf gemäß Klimaschutzgesetz (Pressemitteilung)

    Institut oder Körperschaft

  12. [12] CDU, CSU und SPD, 2025

    Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode (Z. 898 bis 915)

    Institut oder Körperschaft

  13. [13] Alternative für Deutschland, Januar 2025

    Zeit für Deutschland. Programm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, S. 79

    Institut oder Körperschaft

  14. [14] Freie Demokratische Partei, 18.12.2024

    Kurzpapier: Das Programm der Freien Demokraten zur Bundestagswahl 2025

    Institut oder Körperschaft

  15. [15] CDU Deutschlands, 20./21.02.2026

    38. Parteitag: Angenommene Sach- und Initiativanträge, Antrag J02 (S. 47) und M04 (S. 64)

    Institut oder Körperschaft

  16. [16] SPD, 2025

    Mehr für Dich. Besser für Deutschland. Regierungsprogramm der SPD für die Bundestagswahl 2025, S. 33

    Institut oder Körperschaft

  17. [17] Bündnis 90/Die Grünen, 2025

    Zusammen wachsen. Regierungsprogramm 2025, S. 38 f.

    Institut oder Körperschaft

  18. [18] Die Linke, 2025

    Alle wollen regieren. Wir wollen verändern. Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025, S. 32 f.

    Institut oder Körperschaft

  19. [19] Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), 27.11.2025

    Klimaschutz effizienter erreichen und international abstimmen. DIHK-Positionspapier zum Klimaschutz (Beschluss der Vollversammlung)

    Verband

  20. [20] Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW), 08.05.2026

    Pflichtkammern in der Verantwortung: Über 1.000 IHK-Mitglieder wenden sich gegen abgeschwächte Klimapositionen (Pressemitteilung)

    Verband