ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 61
Soll der Staat Familien stärker durch direkte Geldleistungen oder durch kostenlose beziehungsweise günstigere Betreuung unterstützen?
Die Familienkasse zahlte 2025 rund 55,3 Milliarden Euro Kindergeld aus. Für Kitas und Kindertagespflege gaben Bund, Länder und Gemeinden 2024 rund 52,4 Milliarden Euro aus. Worauf soll der Staat künftig stärker setzen?
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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 13: Familie und Kinder · Ergebnisse ansehen
VOR DER STIMME
Die Fakten
Kindergeld und Kinderzuschlag regelt der Bund. Das Kindergeld beträgt 2026 259 Euro im Monat für jedes Kind. [1] Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit zahlte 2025 insgesamt 55,32 Milliarden Euro Kindergeld für 17,57 Millionen Kinder aus. Dazu kamen 3,28 Milliarden Euro Kinderzuschlag. [2] Die Bundesregierung will das Kindergeld 2027 auf 267 Euro und 2028 auf 272 Euro erhöhen. [1] Der Bundestag hat den Entwurf am 08.10.2026 in erster Lesung beraten (Stand 14.10.2026). [3]
Jedes Kind hat ab dem ersten Geburtstag Anspruch auf einen Platz in einer Kita oder in der Kindertagespflege, ab drei Jahren auf einen Kitaplatz. [4] Für die Betreuung dürfen Beiträge erhoben werden. Sie müssen gestaffelt sein, etwa nach dem Einkommen der Eltern. Wer etwa Grundsicherung, Kinderzuschlag oder Wohngeld bezieht, wird auf Antrag befreit. [5] Die Einzelheiten regeln die Länder. Die Mehrheit der Länder entlastet Eltern über das Bundesrecht hinaus, meist aber nur für bestimmte Altersjahrgänge oder Stundenumfänge. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zahlen Eltern grundsätzlich keine Beiträge. Nach einer Elternbefragung zahlten Eltern 2024 für ein Kind unter drei Jahren in einer Kita im Mittel 209 Euro im Monat, für ältere Kinder 57 Euro. 36 Prozent der Eltern hatten einen beitragsfreien Platz oder waren befreit. [6]
Bund, Länder und Gemeinden gaben 2024 für die Kindertagesbetreuung brutto 52,4 Milliarden Euro aus, nach Abzug der Einnahmen netto 49,9 Milliarden Euro. [7] 2025 äußerten 49,3 Prozent der Eltern von Kindern unter drei Jahren Bedarf an einem Platz, betreut wurden 37,8 Prozent. [8] Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht bundesweite Qualitätsstandards für Kitas vor. Der Bundestag hat ihn am 09.10.2026 in erster Lesung beraten (Stand 14.10.2026). [9] Bayern zahlt für Kinder, die ab dem 01.01.2025 geboren sind, weder Familiengeld noch Krippengeld. [10] Das frei werdende Geld fließt nach Angaben der Staatsregierung vollständig in die Betriebskosten der Kitas. [11]
Familien- und Finanzministerium ließen die Wirkung der großen Familienleistungen erstmals umfassend untersuchen. Der Endbericht erschien 2014, seine Daten stammen aus den Jahren davor. Danach senken Kindergeld und geförderte Kinderbetreuung die Kinderarmut am stärksten. Das Kindergeld stellt Familien mit mittlerem und hohem Einkommen spürbar besser. Familien mit geringem Einkommen brachte es im Schnitt wenig, weil es auf das damalige Arbeitslosengeld II angerechnet wurde. Zugleich vermieden mehr als eine Million Familien durch das Kindergeld den Bezug von Arbeitslosengeld II. Für Familien mit drei und mehr Kindern ist es besonders wichtig. Die Geburt dritter Kinder fördern vor allem Kindergeld und Elterngeld. Die geförderte Betreuung hilft von allen Leistungen am meisten, Familie und Beruf zu vereinbaren. Ohne sie wären 100.000 Mütter von Kindern zwischen einem und drei Jahren nicht erwerbstätig. Frühe Betreuung kann zudem neben der Betreuung durch die Eltern die Entwicklung der Kinder fördern; dabei hat die Qualität große Bedeutung. [12]
Die AfD will Eltern bis zum dritten Geburtstag ein Betreuungsgehalt zahlen, damit sie zwischen eigener Betreuung und Kita wählen können. Nach ihrem Programm soll das auch die Nachfrage nach Kitaplätzen deutlich senken. [13] CDU und CSU wollen Kinderfreibetrag und Kindergeld anheben und zugleich die Betreuung ausbauen. [14] Die SPD setzt sich für eine kostenfreie Bildung von der Kita an ein. Familien mit niedrigem Lohn sollen mit Kindergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld nicht auf ergänzendes Bürgergeld angewiesen sein. [15] Die Linke fordert gebührenfreie Ganztagsbetreuung und ein Kindergeld von 350 Euro. [16] Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände schrieb 2024, viele Eltern könnten wegen fehlender Betreuung nicht mehr Stunden arbeiten. Zugleich: „Investitionen in Qualität haben Vorrang gegenüber einer generellen Gebührenfreiheit.“ [17] Der Evangelische KITA-Verband Bayern begrüßte den bayerischen Kurs: „Das ist ein wichtiger Meilenstein in der auskömmlichen Finanzierung der Kindertagesbetreuung.“ [18] Der Verband kinderreicher Familien Deutschland nannte die vollständige Umschichtung in die Kita-Finanzierung ein falsches Signal. Sein bayerischer Landesvorsitzender sagte: „Eltern, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren selbst betreuen wollen, werden schlichtweg im Stich gelassen.“ [19]
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BELEGE
Quellen
[1] Bundesregierung, 28.09.2026
Entwurf eines Einkommensteuerreformgesetzes 2027, Drucksache 21/8235Amtliche Quelle
[2] Bundesagentur für Arbeit, 21.01.2026
Familien im Blick: Die Bilanz der Familienkasse 2025, Presseinfo Nr. 4Amtliche Quelle
[3] Deutscher Bundestag, 08.10.2026
Einkommensteuerreformgesetz soll kleine und mittlere Einkommen entlastenAmtliche Quelle
[4] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 24 Achtes Buch Sozialgesetzbuch: Anspruch auf Förderung in Tageseinrichtungen und in KindertagespflegeAmtliche Quelle
[5] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 90 Achtes Buch Sozialgesetzbuch: Pauschalierte KostenbeteiligungAmtliche Quelle
[6] Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 17.02.2026
Monitoringbericht zum KiQuTG 2025, Zusammenfassung und Kapitel 11: Maßnahmen zur Entlastung der Eltern bei den GebührenAmtliche Quelle
[7] Statistisches Bundesamt
Öffentliche Hand gab 2024 rund 78,8 Milliarden Euro für Kinder- und Jugendhilfe ausDatenportal
[8] Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 11.06.2026
Kita-Bedarf bleibt trotz sinkender Geburtenzahlen hoch (Kindertagesbetreuung Kompakt 2025)Amtliche Quelle
[9] Deutscher Bundestag, 09.10.2026
Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung beraten (Drucksache 21/8239)Amtliche Quelle
[10] Freistaat Bayern, Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt, 21.11.2025
Gesetz zur Änderung des Bayerischen Familiengeldgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften (GVBl. 2025 S. 570)Amtliche Quelle
[11] Bayerische Staatskanzlei, 11.11.2025
Bericht aus der Kabinettssitzung vom 11. November 2025Amtliche Quelle
[12] Prognos AG im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen und des Bundesfamilienministeriums, 02.06.2014
Endbericht: Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Maßnahmen und Leistungen in Deutschland, Ziffern 880 bis 916Institut oder Körperschaft
[13] Alternative für Deutschland, Januar 2025
Zeit für Deutschland. Programm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, S. 147 f. und 152Institut oder Körperschaft
[14] CDU und CSU, Dezember 2024
Politikwechsel für Deutschland. Wahlprogramm von CDU und CSU, S. 61Institut oder Körperschaft
[15] SPD, Januar 2025
Mehr für Dich. Besser für Deutschland. Regierungsprogramm der SPD für die Bundestagswahl 2025, S. 26 f.Institut oder Körperschaft
[16] Die Linke, Januar 2025
Alle wollen regieren. Wir wollen verändern. Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025, S. 16Institut oder Körperschaft
[17] Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, 30.07.2024
Das KiTa-Qualitätsgesetz wird in die richtige Richtung weiterentwickeltVerband
[18] Evangelischer KITA-Verband Bayern, 11.11.2025
Pressemitteilung: Doppelhaushalt bringt Wende in der Kita-FinanzierungVerband
[19] Verband kinderreicher Familien Deutschland, 13.11.2025
Pressemitteilung: Bayern streicht Familiengeld – Familienland wird zum Kitaland – Verband kinderreicher Familien kritisiert den Verlust echter WahlfreiheitVerband