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ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 53

Soll der Unterricht stärker auf digitale Kompetenzen, künstliche Intelligenz und wirtschaftliches Grundwissen ausgerichtet werden?

2023 erreichten 40,8 Prozent der Achtklässler in Deutschland im Umgang mit Computern und Informationen nur die beiden unteren von fünf Stufen, 2018 waren es 33,2 Prozent. Was im Unterricht vorkommt, entscheiden die Länder. Im Schuljahr 2025/2026 hatten zehn Länder Informatik als Pflichtfach an allen weiterführenden Schulformen eingeführt.

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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 11: Bildung und Schulen · Ergebnisse ansehen

VOR DER STIMME


Die Fakten

Was an Schulen unterrichtet wird, entscheiden die Länder. Nach dem Grundgesetz haben sie das Recht der Gesetzgebung, soweit es nicht dem Bund Befugnisse gibt. [1] Die Kultusministerkonferenz der Länder beschloss 2016 die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. Danach bekommen digitale Kompetenzen kein eigenes Fach. Sie sollen Teil des Unterrichts in allen Fächern werden. Wer ab dem Schuljahr 2018/2019 eingeschult wurde oder in die Sekundarstufe I kam, soll sie bis zum Ende der Pflichtschulzeit erwerben können. [2] Im Oktober 2024 vereinbarten die Bildungsminister der Länder, Grundlagen der Informatik und digitale Kompetenzen, auch mit Blick auf künstliche Intelligenz, bei künftigen Änderungen in die Lehrpläne aller Fächer aufzunehmen. Nach den Ergebnissen der PISA-Studie 2022 wollen sie sich stärker auf Grundkompetenzen konzentrieren. Einen Widerspruch zu digitalen Kompetenzen sehen sie darin nicht. [3]

2022 empfahl die Ständige Wissenschaftliche Kommission, die die Kultusministerkonferenz berät, Informatik ab Klasse 5 in allen Ländern als Pflichtfach. [4] Im Schuljahr 2025/2026 hatten nach dem Informatik-Monitor der Gesellschaft für Informatik zehn Länder Informatik als Pflichtfach an allen weiterführenden Schulformen eingeführt. Sachsen-Anhalt hat es nur an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen eingeführt. Nach diesem Stand sollte Bremen im Schuljahr 2026/2027 folgen, Rheinland-Pfalz ab 2028/2029. Die Kommission empfiehlt in den Klassen 5 bis 10 zusammen sechs Wochenstunden Informatik. Das erreichten nur Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland. [5] Hessen will ab dem Schuljahr 2027/2028 in Klasse 5 das Pflichtfach „KI und Digitale Welt“ einführen, ein Jahr später in Klasse 6. Es verbindet Medienbildung, Grundlagen der Informatik und den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Dazu kommen Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung. Ab dem Schuljahr 2029/2030 sollen Schüler das Fach mit Schwerpunkt Informatik in einem Schuljahr zwischen Klasse 7 und 10 belegen müssen. [6]

Baden-Württemberg führte 2016 an allen weiterführenden allgemeinbildenden Schulen das Pflichtfach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung ein. Sein Lehrplan reicht von Klasse 7 bis Klasse 10. [7] Nordrhein-Westfalen kündigte 2018 an, Wirtschaft ab dem Schuljahr 2019/2020 an Gymnasien und ab 2020/2021 an allen übrigen weiterführenden Schulen zum Pflichtfach zu machen. [8]

Die internationale Studie ICILS 2023 hat die digitalen Kompetenzen von Achtklässlern gemessen. Achtklässler in Deutschland erreichten im Mittel 502 Punkte. Der internationale Mittelwert lag bei 476 Punkten. 2018 hatten Achtklässler in Deutschland 518 Punkte erreicht, 2013 waren es 523. An Gymnasien lag der Wert 2023 bei 559 Punkten, an den anderen Schulformen bei 472. [9] 40,8 Prozent erreichten nur die beiden unteren von fünf Stufen. Sie können nur auf sehr einfache Weise mit Computern und Informationen umgehen. 2018 waren es 33,2 Prozent, 2013 waren es 29,2 Prozent. [10] In der PISA-Studie 2025 kamen 15-Jährige in Deutschland in Mathematik auf 464 Punkte und im Lesen auf 465 Punkte. Beides ist weniger als 2022. In Mathematik zählten 34 Prozent zu den Leistungsschwachen. Beim Lösen komplexer Probleme mit digitalen Werkzeugen lagen sie im Durchschnitt der OECD-Staaten. Weitere Ergebnisse zum Lernen in der digitalen Welt sollen 2027 erscheinen. [11]

Bund und Länder haben den Digitalpakt 2.0 für Schulen vereinbart. Bundesbildungsministerin Karin Prien unterschrieb die Vereinbarung am 31.08.2026. Sie gilt seit dem 01.09.2026. In fünf Jahren geben Bund und Länder je 2,5 Milliarden Euro für digitale Bildung an Schulen. Vom Bundesanteil sind 2,25 Milliarden Euro für die digitale Bildungsinfrastruktur bestimmt, 250 Millionen Euro für Forschung zum digitalen Lehren und Lernen. Gefördert werden können auch Vorhaben, die seit dem 01.01.2026 begonnen haben. [12]

Was dafür spricht

  • Der Digitalverband Bitkom ließ 2025 Schüler weiterführender Schulen zwischen 14 und 19 Jahren befragen. 80 Prozent würden in der Schule gern lernen, wie man KI-Anwendungen nutzt. Bei 55 Prozent geschieht das im Unterricht. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst: „Schulen müssen Orte sein, an denen man den kompetenten Umgang mit KI lernt.“ [13]
  • Der Deutsche Philologenverband vertritt Lehrkräfte an Gymnasien. Er sieht Kinder und Jugendliche nicht ausreichend auf die digitale Welt vorbereitet. Seine Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing: „Wir brauchen Medienbildung als Querschnittsaufgabe in jedem Fach und wir brauchen Informatikunterricht auf hohem Niveau“. [14]
  • Das Kultusministerium Baden-Württemberg schrieb 2024: „Das Unterrichtsfach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung hat sich seit seiner Einführung im Jahr 2016 bewährt.“ Eine 2020 veröffentlichte Langzeitstudie zweier Universitäten fand einen positiven Effekt auf Wissen und Fähigkeiten der Schüler. Die Stiftung Würth hat die Studie mitgetragen, das Ministerium hat sie unterstützt. [7]

Was dagegen spricht

  • Die AfD will die Grundschule weitgehend ohne digitale Medien. In ihrem Wahlprogramm 2025 heißt es: „Die ersten vier Schuljahre sollten vorwiegend digitalfreie Räume sein, da sie der Aneignung der grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben dienen.“ Der Einwand gilt nur den ersten vier Schuljahren. Eine moderne IT-Ausstattung hält das Programm vor allem für Informatik, technische Berufsausbildung und den Umgang mit KI für notwendig. [15]
  • Die Ständige Wissenschaftliche Kommission rät, in der Grundschule und zu Beginn der Sekundarstufe I weitgehend auf KI-Sprachmodelle zu verzichten. Sprachmodelle sind KI-Programme, die Texte erzeugen. Zuerst sollen Kinder systematisch lesen und schreiben lernen. Einen regelmäßigen Einsatz als Schreibhilfe hält die Kommission ab Klasse 8 für erwägenswert. Ihr Einwand betrifft nur den frühen Einsatz solcher Programme. Grundkenntnisse über KI hält sie schon in der Grundschule für nötig. [16]
  • Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte 2023 die „Initiative Finanzielle Bildung“ des damaligen Bundesfinanz- und des Bundesbildungsministeriums. Ihr Einwand gilt einer Finanzbildung ohne politischen und sozialwissenschaftlichen Zusammenhang. Sie fordert eine kritische Verbraucherbildung und mehr Geld für die Grundbildung. Ihre Vorsitzende Maike Finnern: „Wer gut lesen und rechnen und Zusammenhänge herstellen kann, lässt sich bei Finanzen auch seltener über den Tisch ziehen.“ [17]

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Dies ist ein Stimmungsbild unserer Leserinnen und Leser, keine repräsentative Umfrage. Wer abstimmt, entscheidet selbst, ob er teilnimmt. Das Ergebnis sagt deshalb nicht, was alle Menschen in Deutschland denken.

Abstimmen können Sie einmal am Tag, ohne Anmeldung und ohne E-Mail-Adresse. Dafür merkt sich Ihr Browser den Tag Ihrer Stimme, und je Internetanschluss zählen wir am Tag höchstens 20 Stimmen. Gespeichert wird nur, wie viele Stimmen jede Antwort hat. Wer wie abgestimmt hat, speichern wir nicht.

Während die Abstimmung läuft, zeigen wir nur die Anteile, und zwar ab 50 Stimmen; vorher wäre ein Zwischenstand Zufall. Die Zahl der Stimmen geben wir am Ende der Abstimmung bekannt.

Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.

BELEGE


Quellen

  1. [1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

    Artikel 70 Grundgesetz

    Amtliche Quelle

  2. [2] Kultusministerkonferenz, 08.12.2016

    Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusministerkonferenz (Fassung vom 07.12.2017), S. 12 und 19

    Amtliche Quelle

  3. [3] Kultusministerkonferenz (Bildungsministerkonferenz), 10.10.2024

    Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen, S. 3 bis 5

    Amtliche Quelle

  4. [4] Kultusministerkonferenz, 19.09.2022

    SWK sieht weiteren Handlungsbedarf bei Digitalisierung des Bildungssystems (Pressemitteilung)

    Amtliche Quelle

  5. [5] Gesellschaft für Informatik, 20.10.2025

    Informatik-Monitor: Nur noch wenige Bundesländer ohne Pflichtfach

    Verband

  6. [6] Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

    Digitale Zukunftskompetenzen

    Amtliche Quelle

  7. [7] Landtag von Baden-Württemberg, 28.02.2024

    Antrag und Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport „Vermittlung wirtschaftlicher Fachkenntnisse an Schulen“, Drucksache 17/6217, S. 2 bis 4

    Amtliche Quelle

  8. [8] Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, 26.11.2018

    Ministerin Gebauer: Wir führen das Schulfach Wirtschaft ein und stärken so die ökonomische Bildung (Pressemitteilung)

    Amtliche Quelle

  9. [9] Kultusministerkonferenz, 12.11.2024

    Digitale Kompetenzen von Achtklässlerinnen und Achtklässlern über dem internationalen Durchschnitt, aber noch nicht ausreichend (Pressemitteilung zu ICILS 2023)

    Amtliche Quelle

  10. [10] Eickelmann, Casamassima, Drossel, Fröhlich (Waxmann), 2024

    ICILS 2023 im Überblick. Zentrale Ergebnisse, Entwicklungen über ein Jahrzehnt und mögliche Entwicklungsperspektiven, S. 13 und 17

    Institut oder Körperschaft

  11. [11] Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), 08.09.2026

    PISA-Ergebnisse auf neuem Tiefstand

    Institut oder Körperschaft

  12. [12] Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 01.09.2026

    Karin Prien unterzeichnet Verwaltungsvereinbarung zum Digitalpakt 2.0

    Amtliche Quelle

  13. [13] Bitkom, 30.06.2025

    Viele Schulen regeln den KI-Einsatz nicht (Presseinformation)

    Verband

  14. [14] Deutscher Philologenverband, 06.05.2026

    Präventionsmaßnahmen zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt „unterbeforscht“ (Pressemitteilung)

    Verband

  15. [15] Alternative für Deutschland, 12.01.2025

    Zeit für Deutschland. Programm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, S. 160

    Institut oder Körperschaft

  16. [16] Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz, 17.01.2024

    Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem. Impulspapier, S. 4, 19 und 20

    Institut oder Körperschaft

  17. [17] Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, 04.12.2023

    GEW: „Kritische Verbraucherbildung statt Bildung fürs Finanzielle“ (Pressemitteilung)

    Verband