ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 32
Soll die Unternehmensbesteuerung international wettbewerbsfähiger gestaltet werden?
Auf Gewinne von Kapitalgesellschaften fallen in Deutschland nach den gesetzlichen Sätzen rund 30 Prozent Steuern an. Im Vergleich der EU-Staaten mit sechs weiteren OECD-Staaten liegen nur Japan und Malta höher. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer in fünf Schritten von 15 auf 10 Prozent.
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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 7: Steuern und Abgaben · Ergebnisse ansehen
VOR DER STIMME
Die Fakten
Kapitalgesellschaften wie GmbH und AG zahlen auf ihren Gewinn 15 Prozent Körperschaftsteuer. [1] Dazu kommt ein Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent dieser Steuer. [2] Die Gemeinde erhebt außerdem Gewerbesteuer. Dafür werden 3,5 Prozent des Gewerbeertrags angesetzt. [3] Diesen Betrag multipliziert die Gemeinde mit ihrem Hebesatz. Sie bestimmt ihn selbst; das Gesetz schreibt einen Mindestsatz vor. [4] 2024 lag der Hebesatz im Durchschnitt bei 409 Prozent. [5] Zusammen belasteten diese Steuern den Gewinn einer Kapitalgesellschaft 2025 nach den gesetzlichen Sätzen mit 30,13 Prozent. So hat es das Bundesfinanzministerium berechnet. [6]
Einzelunternehmen und Personengesellschaften wie die KG zahlen keine Körperschaftsteuer. Ihr Gewinn wird bei den Inhabern mit Einkommensteuer belastet, 2026 mit bis zu 45 Prozent. [7] Die Gewerbesteuer wird darauf angerechnet: Die Einkommensteuer sinkt um das Vierfache des Gewerbesteuer-Messbetrags, höchstens um die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer. [8] Gewinne, die im Betrieb bleiben, können auf Antrag mit 28,25 Prozent versteuert werden. [9] Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen 45 Prozent und ab 280.000 Euro 47 Prozent Einkommensteuer gelten sollen. Der Bundestag hat ihn am 08.10.2026 in erster Lesung beraten und an die Ausschüsse überwiesen. [10]
Nach einem Gesetz vom 14.07.2025, dem der Bundesrat zugestimmt hat, sinkt die Körperschaftsteuer ab 2028 jedes Jahr um einen Prozentpunkt. Ab 2032 beträgt sie 10 Prozent. Der Satz für Gewinne, die in Personenunternehmen bleiben, sinkt in Stufen auf 25 Prozent. [9] Am Stufenplan für die Körperschaftsteuer hat sich bis zum 14.10.2026 nichts geändert. [1] Nach dem Bundesfinanzministerium fällt die Belastung von Kapitalgesellschaften damit bis 2032 auf rund 25 Prozent. [6] Der Gesetzentwurf schätzte die Mindereinnahmen aus dem Satz von 10 Prozent ab 2032 auf jährlich über 25 Milliarden Euro. [11] Ein Simulationsmodell für den Sachverständigenrat Wirtschaft ergibt durch die Senkung langfristig eine um 1,3 Prozent höhere Wirtschaftsleistung und 2,4 Prozent mehr Investitionen. [12] 2025 brachte die Körperschaftsteuer 39,2 Milliarden Euro, 1,5 Prozent weniger als 2024. [13] Die Gewerbesteuer brachte 76,4 Milliarden Euro. [14]
Das Bundesfinanzministerium vergleicht die Belastung nach den gesetzlichen Steuersätzen in den EU-Staaten und sechs weiteren OECD-Staaten. 2025 lagen nur Japan mit 30,42 Prozent und Malta mit 35 Prozent über Deutschland. In Malta gelten allerdings oft Sondersätze. Die meisten der verglichenen Staaten besteuern Gewinne von Kapitalgesellschaften mit weniger als 25 Prozent. Frankreich, Kanada, die USA und das Vereinigte Königreich liegen bei 25 bis 27 Prozent. [6] Nach der OECD lag der gesetzliche Gesamtsatz im Durchschnitt der Staaten, die dort gemeinsam gegen Gewinnverlagerung vorgehen, 2025 bei 21,2 Prozent; im Jahr 2000 waren es 28,0 Prozent. [15] Was ein Unternehmen tatsächlich zahlt, hängt auch davon ab, wie der steuerpflichtige Gewinn berechnet wird. [6] Die EU-Kommission veröffentlicht dazu eine effektive Durchschnittsbelastung für eine durchschnittliche Investition eines Unternehmens im Inland. Sie lag 2024 in Deutschland bei 30,6 Prozent, dem höchsten Wert in der EU. Im Durchschnitt der 27 Staaten waren es 19,3 Prozent. [16]
Seit 2024 gilt für Unternehmensgruppen mit mindestens 750 Millionen Euro Jahresumsatz eine globale Mindeststeuer. Ihre Gewinne sollen in jedem Staat mit mindestens 15 Prozent besteuert werden. Deutschland hat dazu eine EU-Richtlinie umgesetzt. [17][18] Anfang 2026 verständigten sich die beteiligten Staaten auf Vereinfachungen. Zugleich soll das Mindeststeuersystem der USA eingebunden werden. [18]
Was dafür spricht
- Der Bundesverband der Deutschen Industrie verlangt weitere Entlastungen, vor allem für Personenunternehmen: „Bereits jetzt unterliegen Personenunternehmen einer sehr hohen Steuerbelastung, die einen Standortnachteil im internationalen Wettbewerb begründet.“ Er fordert unter anderem, den Solidaritätszuschlag vollständig abzuschaffen. [19]
- Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft, hält eine weitergehende Reform für lohnend: „Ein deutlich größeres Potenzial hätte eine Steuerreform, die Verzerrungen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen der Unternehmen reduziert.“ [12]
- Der AfD-Abgeordnete Christian Douglas hielt die Senkung im Bundestag 2025 für zu spät: Sie beginne erst 2028 und ziehe sich „wie Kaugummi bis 2032“. Er bot der Union an, eine sofortige Senkung gemeinsam umzusetzen. [20]
Was dagegen spricht
- Der stellvertretende DGB-Vorsitzende Stefan Körzell beziffert die Kosten der Senkung bis 2032 auf rund 75 Milliarden Euro: „Dabei gibt es keinen Beleg, dass Unternehmen deshalb auch nur eine Investition mehr in den Standort Deutschland tätigen.“ [21]
- Das Netzwerk Steuergerechtigkeit sieht Deutschland bei der effektiven Belastung im oberen Mittelfeld, nicht an der Spitze: „Eine Senkung um fünf Prozentpunkte würde damit in erster Linie den schädlichen internationalen Steuerwettbewerb befeuern.“ [22]
- Die Bundestagsfraktion der Grünen hält Infrastruktur, Bildung, Fachkräfte und politische Verlässlichkeit für die Wettbewerbsfähigkeit für wichtiger als Steuersenkungen. Sie verweist auf Mindereinnahmen von rund 25 Milliarden Euro im Jahr ab 2032. [23]
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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.
BELEGE
Quellen
[1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 23 Körperschaftsteuergesetz: SteuersatzAmtliche Quelle
[2] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 4 Solidaritätszuschlaggesetz 1995: ZuschlagsatzAmtliche Quelle
[3] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 11 Gewerbesteuergesetz: Steuermesszahl und SteuermessbetragAmtliche Quelle
[4] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 16 Gewerbesteuergesetz: HebesatzAmtliche Quelle
[5] Statistisches Bundesamt, 21.08.2025
Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2024 um 0,2 % höher als im Vorjahr, Pressemitteilung Nr. 309Datenportal
[6] Bundesministerium der Finanzen, 21.07.2026
BMF-Monatsbericht Juli 2026: Die wichtigsten Steuern im internationalen VergleichAmtliche Quelle
[7] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 32a Einkommensteuergesetz: EinkommensteuertarifAmtliche Quelle
[8] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 35 Einkommensteuergesetz: Steuerermäßigung bei Einkünften aus GewerbebetriebAmtliche Quelle
[9] Bundesgesetzblatt, 18.07.2025
Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, BGBl. 2025 I Nr. 161Amtliche Quelle
[10] Deutscher Bundestag, 08.10.2026
Einkommensteuerreformgesetz soll kleine und mittlere Einkommen entlasten (erste Lesung, Drucksache 21/8235)Amtliche Quelle
[11] Deutscher Bundestag, 03.06.2025
Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, Drucksache 21/323Amtliche Quelle
[12] Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, 12.11.2025
Pressemitteilung „Unternehmensteuern reformieren, Verzerrungen bei Unternehmensentscheidungen abbauen“ (Jahresgutachten 2025/26, Kapitel 4)Institut oder Körperschaft
[13] Bundesministerium der Finanzen, 29.01.2026
BMF-Monatsbericht Januar 2026: Steuereinnahmen im Dezember 2025Amtliche Quelle
[14] Statistisches Bundesamt, 17.04.2026
Steuereinnahmen 2025 summieren sich auf rund 990 Milliarden EuroDatenportal
[15] OECD, 25.11.2025
Corporate tax revenues rise as global corporate tax rates continue to stabilise, new OECD data show (Corporate Tax Statistics 2025)Institut oder Körperschaft
[16] Europäische Kommission, März 2026
Data on Taxation Trends: Effective tax rates (Effective Average Tax Rates, corporate taxation)Datenportal
[17] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
§ 1 Mindeststeuergesetz: SteuerpflichtAmtliche Quelle
[18] Bundesministerium der Finanzen
Fragen und Antworten zur globalen MindestbesteuerungAmtliche Quelle
[19] Bundesverband der Deutschen Industrie, 06.07.2026
Reform der EinkommensteuerVerband
[20] Deutscher Bundestag, 26.06.2025
Plenarprotokoll 21/14Amtliche Quelle
[21] Deutscher Gewerkschaftsbund, 06.07.2026
DGB kritisiert Kabinettsbeschluss zum BundeshaushaltVerband
[22] Netzwerk Steuergerechtigkeit, 06.06.2025
Mythen-Check: Was die neuen Steuererleichterungen für Unternehmen wirklich bringenVerband
[23] Deutscher Bundestag, 23.06.2026
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen – Verschonungsbedarfsprüfung ab 26 Millionen Euro in der Erbschaft- und Schenkungsteuer abschaffen“, Drucksache 21/6647Amtliche Quelle