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ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 27

Soll der Staat bestimmte strategisch wichtige Industriezweige gezielter finanziell unterstützen?

Für 2026 hat der Bund 5,0 Milliarden Euro zur Förderung der Mikroelektronik veranschlagt, 2024 gab er dafür 587 Millionen Euro aus. Für eine ausgefallene Anleihe des Batterieherstellers Northvolt zahlten Bund und Land Schleswig-Holstein zusammen 621 Millionen Euro. Ob der Staat strategisch wichtige Branchen gezielter fördern soll, ist umstritten.

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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 6: Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit · Ergebnisse ansehen

VOR DER STIMME


Die Fakten

Nach EU-Recht sind staatliche Beihilfen grundsätzlich unzulässig. Gemeint ist jede Förderung aus staatlichen Mitteln, die bestimmte Unternehmen oder Produktionszweige begünstigt, den Wettbewerb verfälscht oder zu verfälschen droht und den Handel zwischen EU-Staaten beeinträchtigt. Ausnahmen sind möglich. Die EU-Kommission muss sie genehmigen. In Deutschland fördern Bund und Länder. [1] Nach einer der Ausnahmen darf ein Staat die Entwicklung bestimmter Wirtschaftszweige unter bestimmten Voraussetzungen fördern. Die Kommission prüft dann unter anderem, ob die Investition ohne Förderung unterbliebe und ob die Hilfe auf das nötige Mindestmaß begrenzt ist. [2]

Laut dem 30. Subventionsbericht der Bundesregierung vom September 2025 steigen die Finanzhilfen und Steuervergünstigungen des Bundes von 45 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf veranschlagte 77,8 Milliarden Euro im Jahr 2026. Ein wesentlicher Teil des Anstiegs geht auf die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien zurück. Für 2026 sind dafür 17,2 Milliarden Euro veranschlagt. Die Förderung der Mikroelektronik ist 2026 mit 5,0 Milliarden Euro die drittgrößte Finanzhilfe des Bundes. Die Bundesregierung will mit der Chipförderung einseitige Abhängigkeiten von Asien und den USA abbauen. Nach Zahlen der EU-Kommission vergab Deutschland 2023 mit 50,6 Milliarden Euro mehr Beihilfen als jeder andere EU-Staat. Gemessen an der Wirtschaftsleistung lag es mit 1,21 Prozent auf Platz neun. Der EU-Durchschnitt betrug 1,09 Prozent. CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2025 vereinbart, alle Subventionen zu überprüfen und bei den Förderprogrammen im Bundeshaushalt bis 2029 schrittweise insgesamt eine Milliarde Euro einzusparen. [1]

Für die Chipfabrik von ESMC in Dresden genehmigte die EU-Kommission am 20.08.2024 eine deutsche Förderung von 5 Milliarden Euro. [2] Die EU strebt bis 2030 einen Anteil von 20 Prozent am Wert der weltweiten Produktion moderner Mikrochips an. Der Europäische Rechnungshof hält das für kaum erreichbar. Nach einer Prognose der Kommission steigt der Anteil der EU an der weltweiten Wertschöpfungskette nur von 9,8 Prozent im Jahr 2022 auf 11,7 Prozent im Jahr 2030. [3]

Für eine Batteriezellenfabrik von Northvolt bei Heide zeichnete die staatliche Förderbank KfW im Oktober 2023 im Auftrag des Bundes eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro. Eine Wandelanleihe ist ein Darlehen, das in Anteile am Unternehmen umgewandelt werden kann. Northvolt beantragte im November 2024 in den USA Insolvenz. Der Bund zahlte der KfW im Dezember 2024 einschließlich Kosten 621 Millionen Euro. Schleswig-Holstein erstattete ihm im März 2025 davon 300 Millionen Euro. Der Bundesrechnungshof stellte 2025 fest, das Wirtschaftsministerium habe wesentliche Risiken der Anleihe unzureichend ermittelt und bewertet. Wirtschafts- und Finanzministerium hielten dem entgegen, die Insolvenz sei maßgeblich durch äußere Faktoren ausgelöst worden. [4] Im März 2026 lief nach Angaben der Bundesregierung noch der Verkauf der Projektgesellschaft in Heide. [5] Anfang Juli 2026 kündigte die Landesregierung Schleswig-Holstein eine Absichtserklärung zum Verkauf an den US-Batteriehersteller Lyten an. Sie ist rechtlich noch nicht bindend. [6]

Mit Klimaschutzverträgen gleicht der Bund 15 Jahre lang die Mehrkosten klimafreundlicher Produktionsverfahren in energieintensiven Branchen aus. In der ersten Runde 2024 erhielten 15 Unternehmen Verträge über zusammen höchstens rund 2,8 Milliarden Euro. [7] Inzwischen heißen die Verträge CO2-Differenzverträge. Für die Gebotsrunde 2026 sind bis zu 5 Milliarden Euro vorgesehen. [8] Am 16.04.2026 genehmigte die EU-Kommission einen deutschen Industriestrompreis für die Jahre 2026 bis 2028 mit einem Budget von 3,8 Milliarden Euro. [9] Entlastet werden sollen Unternehmen aus 91 Branchen, die viel Strom verbrauchen und stark im internationalen Handel stehen. Der Zielpreis liegt bei 5 Cent je Kilowattstunde. [10]

Im Juni 2026 erklärte die Bundesregierung, sie strebe 40 Prozent der Anteile am Rüstungskonzern KNDS an. Sie will damit langfristig Einfluss auf ein strategisch bedeutendes Unternehmen sichern. Der Einstieg stand unter dem Vorbehalt, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages zustimmt. [11] Für den Erwerb der Anteile über die KfW darf sich der Bund verpflichten, in späteren Jahren bis zu 8,6 Milliarden Euro zu zahlen. [12]

Was dafür spricht

  • Die CDU-Politikerin und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zum Industriestrompreis: „Erstmals überhaupt schaffen wir den Rahmen für einen Industriestrompreis, mit dem wir speziell die für Deutschland wichtigen energieintensiven Industrien entlasten.“ Ihr Ministerium will so angesichts hoher Energiepreise Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland sichern. [10]
  • Der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen sagte im Oktober 2024 bei der Übergabe der ersten Klimaschutzverträge: „Die Klimaschutzverträge geben den Unternehmen, was sie in Zeiten der Transformation in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit am nötigsten brauchen: Planungssicherheit für ihre Investitionen.“ Der Staat zahle dabei nur so viel, wie die Unternehmen tatsächlich benötigen. [7]
  • Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner verlangt, Zukunftstechnologien stärker in den Blick zu nehmen, auch durch gezielte Investitionen. Der Zweite Vorsitzende Jürgen Kerner: „Wer hier verkaufen will, muss auch hier produzieren.“ Geld aus dem Sondervermögen für Infrastruktur soll nach seinen Worten bei heimischen Herstellern ankommen. [13]

Was dagegen spricht

  • Die Monopolkommission schreibt in ihrem Hauptgutachten 2026: „Keine Subvention, kein nationaler Champion ersetzt, was ein funktionierender Markt leistet.“ Gezielte Hilfen für einzelne Branchen, Technologien oder Unternehmen bergen nach ihrer Ansicht größere Risiken für den Wettbewerb als Maßnahmen, die die Bedingungen für viele Unternehmen verbessern. Sie schließt solche Hilfen nicht aus, wenn klar festgestellt ist, dass der Markt versagt oder einen nötigen Umbau der Wirtschaft nicht allein schafft. Dann müssen sie aber wettbewerbsoffen, transparent und befristet sein. [14]
  • Der Bundesrechnungshof warnt nach dem Fall Northvolt, Engagements bei einzelnen Unternehmen bündelten finanzielle Risiken für den Bund und könnten den Markt verzerren. Der Bund dürfe nur ausnahmsweise zugunsten einzelner Unternehmen in den Markt eingreifen: „In der Regel sollte er sich darauf fokussieren, ordnungspolitisch und regulatorisch einen attraktiven Rahmen für alle Marktteilnehmer zu schaffen.“ [4]
  • Die AfD-Fraktion sieht im Fall Northvolt einen Vorgang mit potenziell erheblichen Risiken für den Bundeshaushalt, der sich nicht wiederholen dürfe. Große industriepolitische Förderungen und staatliche Garantien hält sie nur für vertretbar, „wenn Entscheidungsgrundlagen, Risikomanagement und parlamentarische Unterrichtung höchsten Standards genügen“. [15]

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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.

BELEGE


Quellen

  1. [1] Bundesregierung, 15.09.2025

    Bericht über die Entwicklung der Finanzhilfen des Bundes und der Steuervergünstigungen für die Jahre 2023 bis 2026 (30. Subventionsbericht), Drucksache 21/1600

    Amtliche Quelle

  2. [2] Europäische Kommission, 20.08.2024

    Kommission genehmigt deutsche Beihilfe von 5 Mrd. EUR zur Unterstützung des Baus einer neuen Halbleiterfabrik von ESMC, Pressemitteilung IP/24/4287

    Amtliche Quelle

  3. [3] Europäischer Rechnungshof, 28.04.2025

    Mikrochips: EU hinkt im globalen Wettlauf hinterher, Pressemitteilung zum Sonderbericht 12/2025

    Amtliche Quelle

  4. [4] Bundesrechnungshof, 17.06.2025

    Bericht nach § 88 Absatz 2 BHO an den Haushaltsausschuss: Finanzielles Engagement des Bundes bei Northvolt und Auswirkungen auf den Bundeshaushalt

    Amtliche Quelle

  5. [5] Bundesregierung, 20.03.2026

    Antwort „Northvolt-Wandelanleihe – Risikoprüfung, Entscheidungswege und Unterrichtung des Deutschen Bundestages“, Drucksache 21/4927

    Amtliche Quelle

  6. [6] Landesregierung Schleswig-Holstein, Staatskanzlei, 01.07.2026

    Lyten-Verhandlungen auf der Zielgeraden

    Amtliche Quelle

  7. [7] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 15.10.2024

    Habeck übergibt erste Klimaschutzverträge: 15 Transformationsprojekte können starten

    Amtliche Quelle

  8. [8] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 05.05.2026

    BMWE startet Gebotsverfahren 2026 der CO2-Differenzverträge

    Amtliche Quelle

  9. [9] Europäische Kommission, 16.04.2026

    Kommission genehmigt bulgarische, deutsche und slowenische Beihilferegelungen zur vorübergehenden Entlastung energieintensiver Unternehmen von den Strompreisen, Pressemitteilung IP/26/815

    Amtliche Quelle

  10. [10] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 16.04.2026

    Industriestrompreis wird eingeführt – Europäische Kommission genehmigt das Entlastungsinstrument für die energieintensive Industrie

    Amtliche Quelle

  11. [11] Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 22.06.2026

    Bundesregierung strebt Beteiligung an Rüstungskonzern KNDS an, Pressemitteilung 112

    Amtliche Quelle

  12. [12] Bundesregierung, 28.07.2026

    Haushaltsführung 2026: Über- und außerplanmäßige Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen im zweiten Vierteljahr des Haushaltsjahres 2026, Drucksache 21/7395

    Amtliche Quelle

  13. [13] IG Metall, 26.01.2026

    Zukunft statt Standortflucht: IG Metall fordert Initiative für Arbeit und Aufschwung

    Verband

  14. [14] Monopolkommission, 18.07.2026

    Wettbewerb 2026: Für eine wettbewerbsorientierte Wirtschaftspolitik, 26. Hauptgutachten, Drucksache 21/7150

    Institut oder Körperschaft

  15. [15] Deutscher Bundestag, 26.02.2026

    Kleine Anfrage der Fraktion der AfD „Northvolt-Wandelanleihe – Risikoprüfung, Entscheidungswege und Unterrichtung des Deutschen Bundestages“, Drucksache 21/4366

    Amtliche Quelle