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ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 5

Sollen Bürger bei wichtigen langfristigen Reformen durch ausgeloste Bürgerräte beteiligt werden?

Der Bundestag ließ 2023 erstmals 160 ausgeloste Bürger über Ernährungspolitik beraten; ihre Empfehlungen sind für die Abgeordneten nicht bindend. Sollen solche Bürgerräte bei wichtigen Reformen mitreden?

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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 1: Demokratie und direkte Mitbestimmung · Ergebnisse ansehen

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Die Fakten

Ein Bürgerrat ist nach Darstellung des Bundestages eine Versammlung von 30 bis 200 ausgelosten Bürgern, die ein vorgegebenes Thema mit Fachleuten beraten und Empfehlungen abgeben; Entscheidungen treffen sie nicht. [1] In Baden-Württemberg dürfen Behörden seit 2021 Teilnehmer solcher Beratungen zufällig aus dem Melderegister auswählen; das Ergebnis ist für sie nicht bindend. [2] In Ostbelgien gibt es einen ständigen Bürgerdialog mit einem Bürgerrat aus 24 Personen; zu den Empfehlungen der Bürgerversammlungen nehmen die Politiker in öffentlichen Ausschusssitzungen Stellung. [3]

Den ersten Bürgerrat des Bundestages setzten die Abgeordneten am 10. Mai 2023 ein, zum Thema Ernährung, mit 402 Ja- gegen 251 Nein-Stimmen bei 12 Enthaltungen. [4] 160 ausgeloste Menschen über 16 Jahren berieten mit; sie erhielten 100 Euro je Sitzungstag vor Ort. [5] Im Februar 2024 übergaben sie neun Empfehlungen, an erster Stelle ein kostenfreies Mittagessen für alle Kinder. [6] Eingeplant waren drei Millionen Euro; die tatsächlichen Kosten nennt die vom Bundestag beauftragte Evaluation nicht. [7]

Bindend sind die Empfehlungen für die Abgeordneten nicht. [8] Im Januar 2025 bedauerte die SPD im Agrarausschuss, dass keine der Empfehlungen umgesetzt werden konnte. [9] Die Evaluation stellt fest, der Bürgerrat habe die ernährungspolitische Tagesordnung im Parlament geprägt; eine messbare Wirkung auf die Politik sei aber nicht festzustellen. [7] In einer Befragung für die Evaluation hielten vier Fünftel der 2.012 Befragten die Einsetzung für eine gute Idee. [10]

Im Koalitionsvertrag kündigen CDU, CSU und SPD an, Bürgerräte des Bundestages fortzusetzen. [11] Am 8. Oktober 2026 lehnte der Bundestag einen Antrag der Linken auf einen neuen Bürgerrat zu gleichwertigen Lebensverhältnissen ab, mit den Stimmen von CDU/CSU, AfD und SPD. [12] Stellen der Bundestagsverwaltung für Bürgerräte tragen im Bundeshaushalt den Vermerk, dass sie mit Ablauf der 20. Wahlperiode wegfallen. [13]

Was dafür spricht

  • Nach Darstellung der Bundestagsverwaltung erreicht das Losverfahren auch Menschen, die sich sonst nicht einbringen: „So werden Stimmen hörbar, die sonst nicht in den Debatten präsent sind.“ [1]
  • Die Fraktion Die Linke schreibt in ihrem Antrag vom September 2026, es gehe bei Bürgerräten „um die Erweiterung der politischen Debatte, nicht um die Ersetzung parlamentarischer Arbeit“. [14]

Was dagegen spricht

  • Die FDP-Fraktion hielt es im Agrarausschuss für „ineffizient und schwer vermittelbar“, Millionen Euro in einen Bürgerrat zu investieren, um Ergebnisse zu erzielen, die das Parlament bereits kenne. [9]
  • Bundestagspräsidentin Julia Klöckner schrieb im Mai 2025, der Bundestag sei „der größte Bürgerrat Deutschlands“; es dürfe nicht der Eindruck entstehen, Bürgerräte schmälerten die Bedeutung des Parlaments. [15]

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So zählen wir

Dies ist ein Stimmungsbild unserer Leserinnen und Leser, keine repräsentative Umfrage. Wer abstimmt, entscheidet selbst, ob er teilnimmt. Das Ergebnis sagt deshalb nicht, was alle Menschen in Deutschland denken.

Abstimmen können Sie einmal am Tag, ohne Anmeldung und ohne E-Mail-Adresse. Dafür merkt sich Ihr Browser den Tag Ihrer Stimme, und je Internetanschluss zählen wir am Tag höchstens 20 Stimmen. Gespeichert wird nur, wie viele Stimmen jede Antwort hat. Wer wie abgestimmt hat, speichern wir nicht.

Während die Abstimmung läuft, zeigen wir nur die Anteile, und zwar ab 50 Stimmen; vorher wäre ein Zwischenstand Zufall. Die Zahl der Stimmen geben wir am Ende der Abstimmung bekannt.

Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.

BELEGE


Quellen

  1. [1] Deutscher Bundestag

    Was sind Bürgerräte? (Webarchiv der 20. Wahlperiode)

    Amtliche Quelle

  2. [2] Land Baden-Württemberg, 04.02.2021

    Gesetz über die dialogische Bürgerbeteiligung (DBG)

    Amtliche Quelle

  3. [3] Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens

    Bürgerdialog: Was ist der Bürgerrat? und Stand der Dinge

    Amtliche Quelle

  4. [4] Deutscher Bundestag, 10.05.2023

    Bundestag setzt Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ ein

    Amtliche Quelle

  5. [5] Deutscher Bundestag, 09.05.2023

    Antrag zur Einsetzung eines Bürgerrates „Ernährung im Wandel“, Drucksache 20/6709

    Amtliche Quelle

  6. [6] Deutscher Bundestag, 20.02.2024

    Bürgergutachten: Empfehlungen des Bürgerrates „Ernährung im Wandel“, Drucksache 20/10300

    Amtliche Quelle

  7. [7] Bergische Universität Wuppertal, im Auftrag des Deutschen Bundestages, Oktober 2025

    Bürgerrat „Ernährung im Wandel“: Wissenschaftliche Evaluation, Abschlussbericht Teil 2

    Institut oder Körperschaft

  8. [8] Deutscher Bundestag

    Beratung und Umsetzung der Empfehlungen des Bürgerrats Ernährung (Webarchiv der 20. Wahlperiode)

    Amtliche Quelle

  9. [9] Deutscher Bundestag, heute im bundestag 59/2025, 29.01.2025

    Agrarausschuss zieht Bilanz zum Bürgerrat

    Amtliche Quelle

  10. [10] Bergische Universität Wuppertal und Verian, im Auftrag des Deutschen Bundestages, Juni 2024

    Bürgerrat „Ernährung im Wandel“: Wissenschaftliche Evaluation, Abschlussbericht Teil 1

    Institut oder Körperschaft

  11. [11] CDU, CSU und SPD, 05.05.2025

    Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode (Z. 1896 f.)

    Institut oder Körperschaft

  12. [12] Deutscher Bundestag, 08.10.2026

    Nein zur Einberufung eines Bürgerrats zu gleichwertigen Lebensverhältnissen

    Amtliche Quelle

  13. [13] Deutscher Bundestag, Haushaltsausschuss, 12.09.2025

    Ergänzung zu den Beschlussempfehlungen, Einzelplan 02 Deutscher Bundestag, Drucksache 21/1064

    Amtliche Quelle

  14. [14] Deutscher Bundestag, Antrag der Fraktion Die Linke, 24.09.2026

    Einberufung eines Bürgerrates „Einheit im Alltag – Gleichwertige Lebensverhältnisse überall“, Drucksache 21/8189

    Amtliche Quelle

  15. [15] Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages, auf abgeordnetenwatch.de, 23.05.2025

    Antwort auf eine Bürgerfrage zur Repräsentation im Bundestag

    Amtliche Quelle