ABSTIMMUNGDEUTSCHLAND ENTSCHEIDETFRAGE 1
Soll es bundesweite Volksentscheide über grundlegende politische Sachfragen geben?
Volksentscheide gibt es in allen 16 Ländern, im Bund nur bei einer Neugliederung des Bundesgebiets. Was dafür im Grundgesetz geändert werden müsste und was aus den bisherigen Anläufen im Bundestag wurde.
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Teil der Reihe DEUTSCHLAND ENTSCHEIDET: Thema 1: Demokratie und direkte Mitbestimmung · Ergebnisse ansehen
VOR DER STIMME
Die Fakten
Nach dem Grundgesetz geht alle Staatsgewalt vom Volke aus und wird „in Wahlen und Abstimmungen“ ausgeübt. [1] Abstimmungen über Sachfragen sieht das Grundgesetz im Bund aber nur für eine Neugliederung des Bundesgebiets vor; abstimmen dürfen dann nur die betroffenen Länder. [2][3] Bundesgesetze beschließt der Bundestag. [4]
Für Volksentscheide zu anderen Sachfragen wäre nach Auskunft der Bundesregierung eine Änderung des Grundgesetzes nötig. [3] Dafür braucht es zwei Drittel der Mitglieder des Bundestages, also mindestens 420 von 630 Abgeordneten, und zwei Drittel der Stimmen des Bundesrates. Die Mitwirkung der Länder an der Gesetzgebung darf dabei nicht angetastet werden. [5][6]
In den Ländern gibt es Volksbegehren und Volksentscheide bereits: Die Verfassungen aller 16 Länder sehen sie vor. [7] Nach Zählung des Vereins Mehr Demokratie haben Bürger von 1946 bis Ende 2025 in den Ländern 423 solcher Verfahren begonnen; 111 erreichten ein Volksbegehren und 28 einen Volksentscheid. [8] In der Schweiz kommt eine Volksinitiative zustande, wenn innerhalb von 18 Monaten 100.000 gültige Unterschriften vorliegen. [9]
Seit 1992 wurden im Bundestag immer wieder Gesetzentwürfe für bundesweite Volksentscheide eingebracht, unter anderem von Grünen, PDS und Linken, SPD, FDP und AfD; keiner wurde Gesetz. [10][11] Eine einfache Mehrheit erreichte nur ein Entwurf von SPD und Grünen: Am 7. Juni 2002 stimmten 348 Abgeordnete dafür und 199 dagegen, nötig gewesen wären 444 Stimmen. [12] Seit dem 22.07.2026 liegt ein Entwurf der AfD-Fraktion vor, der unter anderem Volksabstimmungen auf Verlangen von einer Million Stimmberechtigten vorsieht; beraten wurde er bisher nicht. [13][14] Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD erwähnt Volksentscheide nicht; er kündigt an, Bürgerräte des Bundestages fortzusetzen. [15]
Was dafür spricht
- Der Verein Mehr Demokratie fordert bundesweite Volksentscheide, weil fehle, was in allen 16 Ländern garantiert sei: „Verbindliche Mitbestimmung muss auch zwischen den Wahlen möglich sein.“ [16]
- Befürworter führen nach der Übersicht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages an, dass Bürger Entscheidungen eher mittragen, die sie selbst treffen, und dass die Volksgesetzgebung in den Ländern die Qualität politischer Entscheidungen nicht gefährdet habe. [10]
Was dagegen spricht
- Kritiker halten nach derselben Übersicht entgegen, das Wesen der Demokratie sei „der Kompromiss, nicht eine Ja-oder-Nein-Entscheidung“, und gut organisierte Minderheiten könnten Sonderinteressen gegen eine passive Mehrheit durchsetzen. [10]
- Der CDU/CSU-Abgeordnete Nicklas Kappe sagte im Juni 2026 im Bundestag, direkte Demokratie verlange „eine enorm hohe Sachkenntnis und Sacharbeit“; manche Entscheidungen gehörten in den Bundestag. [17]
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Wer es darauf anlegt, kann die Sperre umgehen, etwa mit einem zweiten Gerät. Ganz ausschließen lässt sich Manipulation bei offenen Online-Abstimmungen nicht.
BELEGE
Quellen
[1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Grundgesetz, Artikel 20Amtliche Quelle
[2] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Grundgesetz, Artikel 29Amtliche Quelle
[3] Bundesregierung, 09.01.2026
Antwort auf eine schriftliche Frage zu Volksentscheiden, Bundestagsdrucksache 21/3520, Frage 26Amtliche Quelle
[4] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Grundgesetz, Artikel 77Amtliche Quelle
[5] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Grundgesetz, Artikel 79Amtliche Quelle
[6] Die Bundeswahlleiterin
AbgeordnetenzahlAmtliche Quelle
[7] Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, 21.02.2018
Neue Formen demokratischer Beteiligung von Bürgern (WD 3 - 3000 - 037/18)Amtliche Quelle
[8] Mehr Demokratie e. V., 2026
Volksbegehrensbericht 2026: Direkte Demokratie in den deutschen Bundesländern 1946 bis 2025Verband
[9] Schweizerische Bundeskanzlei
VolksinitiativenAmtliche Quelle
[10] Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, 03.09.2010
Direkte Demokratie in Europa und der Bundesrepublik Deutschland (WD 3 - 3000 - 346/10)Amtliche Quelle
[11] Deutscher Bundestag, Dokumentations- und Informationssystem, abgerufen 09.10.2026
Gesetzgebungsvorgänge zum Stichwort VolksabstimmungAmtliche Quelle
[12] Deutscher Bundestag, 07.06.2002
Plenarprotokoll 14/240Amtliche Quelle
[13] Deutscher Bundestag, Gesetzentwurf der Fraktion der AfD, 22.07.2026
Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Demokratie durch Einführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene, Drucksache 21/7252Amtliche Quelle
[14] Deutscher Bundestag, Dokumentations- und Informationssystem, abgerufen 09.10.2026
Vorgang zu Drucksache 21/7252, Beratungsstand „Noch nicht beraten“Amtliche Quelle
[15] CDU, CSU und SPD, 05.05.2025
Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag für die 21. LegislaturperiodeInstitut oder Körperschaft
[16] Mehr Demokratie e. V., 2026
Merkblatt Bundestagspetition VolksabstimmungVerband
[17] Deutscher Bundestag, 10.06.2026
Plenarprotokoll 21/82, Rede Nicklas Kappe (CDU/CSU), S. 9870Amtliche Quelle